Literaturbesprechung
vom

GOT – Ganzheitliche Osteopathische Therapie

Auf der Grundlage des Body Adjustment nach Littlejohn und Wernham.

Preis: 59,99 Euro
ISBN: 978-3830475064
Verlag: Haug Verlag, Stuttgart
Von Wim Hermanns. 3. aktualisierte Auflage, 144 S., mit 153 Abb., broschiert.
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Auch die Osteopathie kommt nicht ohne Kult aus. Sie ist von der „Still´schen Lehre” und von ihren Leitsätzen geprägt. In seinen mit Begeisterung geschriebenen Abhandlungen definiert Still Prinzipien und Naturgesetze, die für den Umgang mit Patienten maßgebend sind. Er beschreibt aber auch religiöse und spiritualistische Sichtweisen aus der Zeit und aus dem Umfeld, in dem er groß geworden ist. Zahlreiche Schriften über das Werk und das Leben von Still sind bis heute verfasst worden. Auffällig ist jedoch, dass Still selbst nur verhältnismäßig wenig geschrieben hat, insbesondere findet man kaum Schriften über die Arbeitsweise von ihm selbst. Es ist vielen schon aufgefallen, dass klassische Medizin und allopathische Behandlungen nicht immer als der Weisheit letzter Schluss gesehen werden. Daher suchen immer mehr Menschen Hilfe bei der sogenannten alternativen Medizin - obwohl sie die Behandlung oft selbst bezahlen müssen. Die Frage, was der Patient hierbei sucht, ist leicht zu beantworten: Einen Therapeuten, der nicht zuerst Forscher und Wissenschaftler ist. Der Unterschied liegt in der individuellen Herangehensweise. Zauberwörter wie „biodynamisch”, „Tides”, „Fluid” und „Emotional Release” bestimmen die Handlungsweise des „modernen” Osteopathen. Der Glaube und die Überzeugung, dass nur die Selbstheilungskräfte der Natur einen Zurückgewinn der Gesundheit bewirken können, lässt allerdings die eigne osteopathische Betrachtung der Behandlung wiederum sehr bescheiden werden.

Das GOT-Konzept zählt zu den ganzheitlichen Techniken in der Osteopathie. Der erfahrene Therapeut kann direkte und indirekte Techniken global oder spezifisch einsetzen, er kann jedoch ebenso vom Konzept abweichen und Muskelenergietechniken verwenden. So lassen sich alle menschlichen Systeme integrieren: Viszeral, parietal, kraniosakral, vaskulär, lymphatisch, venös, nerval, psychisch und emotional.
 Ursprünglich basiert das GOT-Konzept auf den Ideen und Philosophien von Littlejohn, einem Schüler von Still. John Wernham, seinerseits wiederum ein Schüler von Littlejohn, hat das GOT-Konzept in eine Technikserie integriert. Er prägte die klassische Osteopathie mit dem Begriff des TBA - Total Body Adjustment. In diesem Buch werden nachvollziehbar die Ursprünge und die Philosophie dieses Konzepts eklärt und zur freien und individuellen Anwendung der Techniken angeleitet.
 Deutlich wird die Sinnhaftigkeit dargelegt, die GOT mit anderen Ideen aus der Osteopathie oder aus der manuellen Therapie zu kombinieren. Das Anliegen Stills war es nicht, Techniken zu entwickeln oder ein Konzept vorzulegen, er wollte den Menschen eine Philosophie näherbringen. Ein erfahrener Mechaniker kennt mehrere Methoden und entwickelt seine eigene Methode. Dies hat wenig zu tun mit Imitation oder Verehrung eines bestimmten Lehrmeistes, sondern sollte allein mit der Regulierung des kranken/gestörten Systems Mensch begründet sein.

Im Buch werden Hintergründe zur Anatomie, Physiologie und den Anwendungsbereichen erklärt. Die Technikanleitungen beschreiben Untersuchung, Behandlung und alternative Handgriffe. Auch für Therapeuten ohne osteopathische Kenntnisse, z.B. Manualtherapeuten, die nach weiterer Entwicklung ihrer Fähigkeiten und Denkweisen suchen, kann dieses Buch eine Quelle von Informationen sein.

Buchbesprechung von Hans Ortmann , München
Quelle: Fachzeitschrift Physikalische Therapie
, Nr. 11 November 2014
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