VPT-Meldung
vom

Lernen & Wissen | Das zeigt der Romberg-Test

von Lisa Dolch

Lisa Dolch ist Physiotherapeutin B.Sc. und Mitglied in der AG Akademisierung und Wissenschaft im VPT. Sie unterrichtet u.a. an der VPT-Akademie in Fellbach.

Assessments sind objektive standardisierte Testverfahren, mit denen sich in der Physiotherapie die Situation des Patienten beurteilen lässt. Sie liefern Hinweise für die Optimierung und weitere Therapieplanung. Die AG Akademisierung stellt im VPTMAGAZIN valide Tests steckbriefartig vor.

Hintergrund

Der Romberg-Test ist benannt nach seinem „Erfinder“, dem deutschen Arzt Moritz Heinrich Romberg (1795 – 1873), der als Begründer der modernen Neurologie angesehen wird. Mit seinem Lehrbuch der Nervenkrankheiten des Menschen (1840/51) legte er das Fundament der klinischen Neurologie.

Was untersucht wird

Der von Romberg entwickelte statische Test überprüft den Gleichgewichtssinn des Patienten (die Standsicherheit). Es ist ein klinischer Test zur Untersuchung einer Ataxie (vestibulär, zerebellär oder spinal), wobei er dazu beiträgt, den Unterschied zwischen einer spinalen und zerebellären Ataxie zu erkennen.

Testablauf

  • der Patient steht aufrecht, Füße nebeneinander ohne Kontakt (ohne Schuhe)
  • die Arme sind horizontal nach vorne gestreckt, die Handflächen nach oben gerichtet
  • der Raum sollte möglichst ruhig und ohne visuelle Ablenkung sein (gedämpftes Licht)
  • der Therapeut steht seitlich oder hinter dem Patienten, um ihn eventuell auffangen zu können
  • zuerst soll der Patient 30 Sekunden stehen bleiben, die Augen sind dabei geöffnet  
  • dann schließt er die Augen für 30 Sekunden, verändert aber nichts an der Grundposition

Interpretation

Der Test wird dann als positiv betrachtet, wenn eine deutliche Schwankneigung erkennbar ist. Diese wird unterschiedlich interpretiert.

  • Spinale Störung: Der Patient zeigt mit geschlossenen Augen ein deutlicheres Schwanken als mit geöffneten Augen.
  • Zerebrelläre Schädigung: Es macht keinen Unterschied, ob die Augen geöffnet oder geschlossen sind. Die Schwankungen sind unabhängig vom Augenschließen gleichermaßen vorhanden.
  • Vestibuläre Schädigung (einseitig): Der Patient schwankt oder/und fällt zur erkrankten Seite.
  • Der Test wird als negativ betrachtet, wenn keine oder mäßige Schwankungen vorliegen.

Cave: Alkoholabusus kann den Test positiv verfälschen!
Ausschluss: Um eine psychogene Gleichgewichtsstörung auszuschließen, wird der Patient während der Durchführung abgelenkt, z.B. indem man ihn rückwärts zählen lässt.
Patienten ohne Einschränkungen können die Testbatterie in der Regel korrekt ausführen.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Leitlinien
Tjernström, Björkl und Malmström, Ratio in quiet stance posturography-Test to retest reliability, Elsevier 2014
Masuhr Karl, Neumann M, Duale Reihe der Neurologie,
MLP 2007

Seiteninhalt: