Literaturbesprechung

Stellenwert physikalischer Therapieverfahren bei chronischer Veneninsuffizienz (CVI) und arthrogenem Stauungssyndrom

Preis: 19,42 EUR
ISBN: 978-3934371200
Verlag: Viavital Verlag GmbH, Köln

Von Thomas KLYSCZ. 2000. 144 S., 68 Abb., 8 Tab.

Der Autor, Priv.-Doz. Dr. med. habil. Thomas Klyscz, promovierte in Tübingen und war dort an der Hautklinik tätig. Jahrelange betreute er die Tübinger Gefäßsportgruppe und war leitender Arzt des Fachbereiches Physiotherapie der Universitäts-Hautklinik. Von 1999 - 2001 war der vielfache Preisträger wissenschaftlicher Fachgesellschaften ärztlicher Direktor einer Hautklinik.

In der Therapie der chronischen Veneninsuffizienz (CVI) gibt es in der Zwischenzeit fest etablierte Verfahren. Dazu zählen u. a. die Kompressionstherapie, die operative Behandlung und die Pharmakotherapie. Im Gegensatz dazu liegen bei chronischer Veneninsuffizienz und arthrogenem Stauungssyndrom bislang nur wenige Daten zum Nutzen physikalischer Behandlungsmethoden vor. In dem vorliegenden Buch wird der medizinische Stellenwert etablierter und neuartiger physikalischer Therapieverfahren bei chronischer Veneninsuffizienz und arthrogenem Stauungssyndrom vorgestellt. Besonderen Wert legt der Autor dabei auf die Visualisierung der Studienverläufe und ergebnisse durch viele Abbildungen und Tabellen. Vollständig dokumentiert wird auch der Tübinger Fragebogen zur Erfassung der Lebensqualität bei Patienten mit chronischer Veneninsuffizienz und dessen klinischer Einsatz. Die in der Arbeit vorgestellten Behandlungsverfahren der Physikalischen Therapie der CVI sind die Krankengymnastik, die Balneo-, Hydro- und Elektrotherapie sowie etliche weitere Verfahren, wie die Biomechanische Muskelstimulationstherapie (BMS-Therapie) und auch das Kraftausdauertraining in Form einer Gefäßsportgruppe. Untersuchungsgegenstand der in dem Buch vorgelegten Arbeit sind etablierte und neue Verfahren aus dem Bereich der Physikalischen Therapie, von denen eine positive Beeinflussung der Gelenkbeweglichkeit und der Wadenmuskelgelenkspumpe bei Patienten mit chronischer Veneninsuffizienz zu erwarten ist. Unter der Prämisse, daß es bei chronischer Veneninsuffizienz und arthrogenem Stauungssyndrom zu einem pathophysiologischen circulus vitiosus kommt, müßte hypothetisch eine Besserung der Sprunggelenksbeweglichkeit mit einer Verbesserung der Aktivität der Wadenmuskelgelenkspumpe einhergehen. Diese verbesserte Muskelpumpenaktion sollte wiederum in einer verbesserten venösen Abpumpleistung sowie in einer Kraftzunahme der Wadenmuskulatur nachweisbar sein. Von dieser venös entstauenden Maßnahme profitiert dann in einem weiteren Schritt die kutane Mikrozirkulation, was sich klinisch in einer Abheilung venöser Ulzerationen sowie meßtechnisch in einer Verbesserung der Oxygenierungs-/Perfusionsrelation an der Haut zeigte. An subjektiven Veränderungen zeigten sich u. a. eine Minderung der Beschwerden und Schmerzen und darüber hinaus eine Verbesserung der Lebensqualität.

Folgende Hypothesen wurden im Rahmen der vorgestellten Arbeit untersucht:

1. Die vier untersuchten physikalischen Therapieverfahren verbessern die Sprunggelenksbeweglichkeit, insbesondere die hämodynamisch wichtige Dorsalextension.

2. Die neuartige BMS-Therapie verbessert die Sprunggelenksbeweglichkeit deutlich stärker, als die konventionelle krankengymnastische Therapie zu leisten vermag.

3. Die verbesserte Sprunggelenksbeweglichkeit führt zu einer gesteigerten venösen Abpumpleistung.

4. Die physikalischen Therapiemaßnahmen optimieren die kutane Mikrozirkulation und beeinflussen die Wundheilung positiv.

5. Die eingesetzten physiotherapeutischen Maßnahmen führen zu einer deutlichen Abnahme subjektiver krankheitsbezogener Beschwerden sowie zu einer Verbesserung der Lebensqualität der behandelten Patienten.

6. Das Kraftausdauertraining stellt in der Organisationsform einer ambulanten Gefäßsportgruppe ein praktikables und medizinisch erfolgreiches Modell dar.

7. Ein intensiviertes Kraftausdauertraining kann über das allgemeine Kraftausdauertraining hinaus noch weitere Verbesserungen der muskulären Kraft und des Drehmomentes erbringen.

8. Die Biomechanische Stimulationstherapie (BMS) verbessert die venöse Hämodynamik und die kutane Mikrozirkulation bei arthrogenem Stauungssyndrom stärker, als es die krankengymnastische Therapie zu leisten vermag.

9. Physikalische Therapiemaßnahmen können aus medizinischer Sicht als wichtige Basistherapien in der Behandlung der CVI bewertet werden.

Am Schluß des Buches werden die 9 Hypothesen der vorliegenden veröffentlichten Habilitationsschrift des Autors aus der Universitäts-Hautklinik Tübingen analysiert und ausgewertet. Die einzelnen Studienverläufe und deren Ergebnisse werden durch viele Abbildungen und Tabellen verdeutlicht. Im Anhang ist dann der bereits zitierte Tübinger Fragebogen zur Erfassung der Lebensqualität bei Patienten mit CVI abgedruckt.

Diese Habilitationsschrift ist klar, interessant und verständlich geschrieben.

Das Buch ist vor allem Lehrkräften an Physiotherapie- und Massageschulen zu empfehlen, die im Fachbereich innerer Organe tätig sind; darüber hinaus werden Therapeuten in der Gefäßrehabilitation wichtige Erkenntnisse und praktische Umsetzungsmöglichkeiten finden.

Das Buch schließt eine wichtige Lücke der Anwendungsmöglichkeiten der Physikalischen Therapie bei CVI, auch wenn einige Verfahren, wie z. B. Manuelle Lymphdrainage und Ultraschalltherapie, nicht berücksichtigt werden.

Buchbesprechung von Bruno Blum, München
Quelle: Fachzeitschrift Physikalische Therapie
, Nr. 03 März 2004

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