Start der grundständigen Akademisierung in Bochum

Das Erstsemester im Rahmen der grundständigen Akademisierung der Physiotherapie ist am 19. September 2010 gestartet

Die 200 frisch immatrikulierten Studenten der Gesundheitsfachberufe waren am 19. Septem­ber 2010 eingeladen, sich und die neu gegründete Hochschule für Gesundheit zu begrüßen. Von ca. 2000 Bewerbern haben sie nun die Chance, einen neuen Bildungsweg zu be­schreiten - direkt vom Abitur zum/r akademisierten PhysiotherapeutenIn (Bc.). Aber auch zum/r akademisierten ErgotherapeutenIn, Hebamme, LogopädeIn und PflegerIn kann man sich hier ausbilden lassen. Die Präsidentin der Hochschule, Frau Prof. Dr. Anne Friedrichs, eröffnete die Veranstaltung mit Freude und Zuversicht über das endlich verwirklichte Modellprojekt. Besonders hob sie neben den wissenschaftlichen und praktischen Inhalten das Einüben der interprofessionellen Kommunikation in den Vordergrund. Ein Thema, welches uns im VPT schon viele Jahre beschäftigt. Anschließend sprach die Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung in NRW, Frau Svenja Schulze. Auch sie hob die Einmaligkeit dieses Studienganges hervor und betonte, dass sich die komplette Akademisierung mit ihren Aufbaustudiengängen bis hin zur Promotion noch in den Kinderschuhen befindet, ebenso die For­schung in den Gesundheitsfachberufen, die doch die Basis für die Zukunft unserer Berufe darstellt. Die Ministerin sieht die immer kürzer werdende Halbwertzeit unseres medizinischen Wissens als wichtigen Grund der Akademisierung an. Aus diesem Grunde sagte sie die Gründung des Gesundheitscampus zu. Egal was auch immer die Medien darüber schreiben, es ist beschlossene Sache. Besonders erfreut waren die Studenten über die Nachricht, dass ab dem Wintersemester 2011 keine Studiengebühren gezahlt werden müssen.

Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung in NRW, Frau Svenja Schulze (li.) und die Präsidentin der neu gegründeten Hochschule für Gesundheit in Bochum, Frau Prof. Dr. Anne Friedrichs
Ministerin für Innovation, Wissenschaft und Forschung in NRW,
 Frau Svenja Schulze (li.) und die Präsidentin der neu gegründeten 
Hochschule für Gesundheit in Bochum, Frau Prof. Dr. Anne Friedrichs

Als vorletzte Rednerin meldete sich die Staats­sekretärin des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter in NRW, Frau Marlis Bredehorst, zu Wort. Sie drückte in ihrer Ansprache ihre ganze Hoffnung auf die neue Generation der Gesundheitsfachberufe aus. Hoffnung auf eine neue Qualität in den ständig steigenden Anforderungen unserer Berufe. Dabei ging sie auf den demographischen Wandel in unserer Bevölkerung ein sowie auch auf die unzureichende Kommunikation zwischen den einzelnen medizinischen Fakultäten. Sie denkt, dass dieses Problem wohl zurzeit hauptsächlich in den Gesundheitsfachberufen liegt. Diesen Gedanken nahm die Schlussrednerin, Oberbürgermeisterin Frau Dr. Ottilie Scholz, auf und rief den Studenten er­munternd entgegen: Betrachte dich nicht als Teil des Problems, sondern als Teil der Lösung. Es war eine Begrüßungsveranstaltung von besonderer Art. Nicht nur weil hier deutsche Physiotherapiegeschichte geschrieben wurde, sondern auch durch die extravagante Rahmengestaltung. Nicht, wie sonst eher gewohnt, wurde die Veranstaltung von einem Streichquartett oder dergleichen begleitet, nein - eine bezaubernde und erfrischende Kabarettistin leitet durchs Programm. Ihr gelang es die Inhalte der Reden nochmals mit drei Worten im herrlichsten Ruhrpottdialekt zusammenzufassen. Keiner schlief, keine ging gelangweilt aus dem Saal. Im Anschluss gab es einen Empfang in der neuen Hochschule. Raum für ein gegenseitiges Kennenlernen. Diese Gelegenheit nahm ich war, um mich nach einzelnen Motivationen der Studenten zu erkundigen. Auf meine Frage, warum sie den Studiengang gewählt haben und nicht die etwas kürzere Berufsfachschulausbildung, wo sie doch nach Abschluss des Studiums nicht besser gestellt sind als die Berufsfachschüler, antworteten die meisten: Wir sehen die Zukunft der Physiotherapie, aber auch der anderen Gesundheitsfachberufe in der Akademisierung. Man sollte sein praktisches Arbeiten am Patienten wissenschaftlich begründen können. Außerdem ist es neben dem Erwerb von fachlichen Kompetenzen ebenso wichtig, seine sozialen und kommunikativen Kompetenzen auszubilden - wichtige Gründe, sich für das Studium zu entscheiden. Zusätzlich kamen Motivationen, nach weiteren Aufbaustudiengängen (Master) in die For­schung gehen zu können. Kurz gesagt, sehen die jungen StudentenInnen die Akademisierung unserer Berufe als entscheidend für deren Weiterentwicklung und als persönliche und gesellschaftliche Chance an. Mich hat sehr positiv überrascht, mit welch hohem politischen Bewusstsein und Interesse die jungen StudentenInnen auftraten. Zum Abschluss meines Aufenthaltes an der Hochschule für Gesundheit führte der Studiengangsleiter für Physiotherapie, Prof. Dr. Christian Grüneberg, durch die neuen Räume. Anschließend hatten wir ein sehr gutes Gespräch über den VPT und dessen Bemühungen im Prozess der Akademisierung. Er bekundete viel Interesse, und so hoffe ich, dass wir dieses mit Leben füllen können.

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