Literaturbesprechung
vom

Körperkontakt

Die Bedeutung der Haut für die Entwicklung des Menschen

Preis: 23,95 EUR
ISBN: 978-3608951547
Verlag: Klett-Cotta Verlag, Stuttgart
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Von Ashley MONTAGU. Aus dem Englischen übersetzt von Eva Zahn. 9. Aufl., 265 S., davon über 40 S. Literaturhinweise und Personenregister. Paperback

Obwohl die Haut das ausgedehnteste Organ des Körpers ist, wurde sie von der psychologischen Forschung bis vor kurzem sehr stiefmütterlich behandelt. Um so größere Aufmerksamkeit dürfen die Forschungen des Autors des vorliegenden Werkes, eines englischen Anthropologen, für sich beanspruchen. Dem Autor geht es darum, die Haut nicht nur als taktiles Organ darzustellen, das nicht nur körperlich, sondern auch durch Erleben und Reaktion auf das Wachstum und die Entwicklung des gesamten Menschen einwirkt. Der Autor studierte die verschiedenen Formen der Säuglings-pflege bei den einzelnen Völkern und wie diese Praktiken die Entwicklung des Kindes und sein Verhalten als Erwachsener beeinflussen. Die Zusammenhänge zwischen dem Fehlen des Körperkontaktes in der Kindheit und der Entstehung bestimmter Krankheiten, die Hintergründe von Zeiterscheinungen wie Sonnen- und Badekult, Haar- und Barttracht und die Abhängigkeit der "sozialen" Fähigkeiten eines Menschen vom Erlebnis der Haut sind Gegenstand dieses faszinierenden Buches.

Die wesentlichste Sinnesempfindung unseres Körpers ist die Berührung. Sie ist wahrscheinlich die wichtigste Wahrnehmung im Prozeß des Schlafens und Wachens; sie vermittelt uns das Wissen von Tiefe, Struktur und Form; wir fühlen, wir lieben und hassen, sind empfindlich und empfinden durch die Tastkörperchen unserer Haut. Dies hat nicht nur sehr früh J. Lionel Taylor erkannt, sondern war für Montagu Anlaß seiner Studien und wurde durch deren Veröffentlichungen zu einem der vielseitigsten wissenschaftlichen Autoren Amerikas. 

Aus dem Inhalt: Die Seele der Haut. Der Schoß der Zeit. Das Stillen. Zärtliche Liebe und Fürsorge. Die Haut und ihre Rolle im Geschlechtsleben. Wachstum und Entwicklung. Kultur und Hautkontakt.

Natürlich ist es naheliegend, dieses Buch für TherapeutInnen zu rezensieren, die schon berufsbedingt die Haut nicht nur als Sinnes-, sondern auch als Therapieorgan zu sehen. Immerhin kommt Montagu zu der Erkenntnis, "daß kein Organismus allzu lange ohne äußere kutane Stimulation leben kann". 

Wer dieses Buch kennenlernt, wird noch bewußter die Haut als Sinnes- und Therapieorgan erkennen.

Buchbesprechung von Bruno Blum , München
Quelle: Fachzeitschrift Physikalische Therapie
, Nr. 11 November 2001
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