Literaturbesprechung
vom

Manuelle Triggerpunkt-Therapie

Myo­fasziale Schmerzen und Funktionsstörungen erkennen, verstehen und behandeln

Preis: 129,99 EUR
ISBN: 978-3-13-147472-8
Verlag: Georg Thieme Verlag, Stuttgart
von Roland Gautschi. 2. Aufl., 624 S., Hardcover

Triggerpunkte werden in Kongressvorträgen leider oft in einem Atemzug mit den tender points der Fibromyalgie und den Akupunkturpunkten genannt. Dies führt dazu, dass die myofaszialen Triggerpunkte bisweilen als ungenau definiert, unsolide und etwas esoterisch angesehen werden.

Medizinstudenten werden meist in der palpatorischen Muskeldiagnostik nicht ausgebildet, und viele Ärzte untersuchen ihre Patienten nicht körperlich. Damit ist in der Diagnostik die Muskulatur immer noch ein vernachlässigtes und häufig fehlinterpretiertes „Waisen-Organ”.

Triggerpunkte haben normale Laborwerte, und die angewandten bildgebenden Verfahren zeigen keinerlei Veränderung im Muskel. Wenn der Arzt oder Physiotherapeut nicht in der Triggerpunkt-Diagnostik oder in der Erkennung von funktionellen Muskelschmerzen ausgebildet ist, läuft der Patient Gefahr, als Hypochonder angesehen zu werden.
Das vorliegende Buch räumt gründlich und fundiert zumindest mit den Fehlinterpretationen auf und stellt die Triggerpunkt-Therapie auf eine solide Grundlage.

Das Interesse allgemein am Thema Triggerpunkt-Therapie / Weichteilbehandlung ist derzeit enorm, und so erstaunt es nicht, dass bereits zwei Jahre nach Erscheinen der Erstauflage eine Neuauflage erforderlich wurde.
In dieser Neuauflage wurden einige Korrekturen vorgenommen und Ergänzungen sowie Neuerungen und zusätzliche Abbildungen eingearbeitet. Damit bietet dieses exzellente Werk praktisch alle Aspekte der myofaszialen Triggerpunkte von der Ätiologie, Pathophysiologie, Diagnostik bis hin zur praktischen Therapie. Die sehr detaillierten Anleitungen zum Erlernen von Untersuchung und Behandlung der myofaszialen Triggerpunkte werden mit über 1000 eindrucksvollen Abbildungen und im praktischen Teil auf jeweils einer Doppelseite je Muskel dargestellt.

Das gesamte Konzept ist insgesamt in die Komplexität vielschichtiger Funktionsstörungen auf somatischer und psychischer Ebene eingebettet. Es kommt klar und verständlich zum Ausdruck, dass die Triggerpunkt-Therapie mechanische, reflektorische, biochemische, funktionelle, kognitiv-emotionale und verhaltenswirksame Effekte vereint. Damit beeinflusst sie nicht nur peripher-nozizeptive Schmerzen, sondern greift gleichzeitig in Schmerzverarbeitungsprozesse und Output-Schmerzmechanismen ein.
Ich wünsche diesem Werk eine weite Verbreitung nicht nur in der Kollegenschaft, sondern auch im Gesamtverständnis der Medizin allgemein. Sehr empfehlenswert.

Neuauflage (Preis: 139,99 EUR)
Online-Bestellung bei: Thieme Verlagsgruppe

Buchbesprechung von Hans Ortmann , München
Quelle: Physiotherapie in Theorie und Praxis, Nr. 5 Mai 2015
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