Literaturbesprechung
vom

Warum werden unsere Kranken eigent­lich wieder gesund?

Preis: 16,90
ISBN: 9783863210236
Verlag: Mabuse Verlag, Frankfurt a.M.
Von Asmus Finzen, 2. Auflage 2012, 151 Seiten
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Warum werden unsere Kranken eigent­lich wieder gesund?

Asmus Finzen ist Psychiater und Wissenschaftspublizist. Er arbeitete viele Jahre als leitender Krankenhausarzt in Deutschland und der Schweiz. Die merk­würdige Frage „Warum wer­den unsere Kranken eigentlich gesund?” wir­kt aus der Feder eines Arztes wie eine Provokation, weckt aber gleichzeitig Interesse.

Die Antwortfindung erfolgt in dem Taschenbuch mit System: Im ersten Kapitel führen die Themen Heilserwartung, Symptome kurieren, der Mythos der Machbarkeit, die neue Hoffnung Alternativmedizin, die Dosis macht das Gift und der Zustand gläubiger Erwartung in die Gesamtthematik ein.

Kapitel zwei behandelt unter anderem die Kunst der Prognose, Rationalität und Redlichkeit, erklärt warum Patienten wegen unserer Behandlungen gesund werden – aber nicht wegen jener therapeutischen Faktoren, von deren Wirksamkeit wir überzeugt sind.

In Kapitel drei werden die psychiatrische Therapie, Psychotherapie als hilfreiche Beziehung, sowie Sozio-, Milieu- und Somatotherapie beleuchtet.

Es folgt im vierten Kapitel das Placebo-Problem – unspezifische Heilfaktoren in Körpermedizin und Seelenheilkunst inklusive Begriffserklärung.

Die Themen Therapie als Verhandlung, als Störung, als Bewegung folgen im fünften Abschnitt. ,Psychoanalyse als Mutter aller Therapien’ und ,Das Übel an der Wurzel packen’ analysieren weiterhin die Frage, wie Therapie wirkt.

Selbstkritisch geht es im nachfolgenden Abschnitt an die Fragestellung ,Grenzen der Therapie’ und ,Auf der Suche nach dem Ende des Regenbogens’ weiter. Struktur wird mit einigen allgemeinen Grundlagen therapeutischer Interventionen zu den Bereichen Situationsklärung (bedeutet mehr als Diagnosestellung), Therapiezieldefinition, Wahl der Methode, die gemeinsame therapeutische Haltung und der Orientierung des therapeutischen Milieus an der Außenwelt gegeben.

Dieses Buch handelt von psychiatrischer und allgemein-medizinischer Behandlung, von Therapieversagen, unspezifischen Heilfaktoren und von den Grenzen dessen, was Therapie erreichen kann. Interessant ist der Transfer zu den physiotherapeutischen Berufen vor allem wegen des allgemeinen gegenwärtigen Trends, der eine große Wertschätzung auf spezifische therapeutische Methoden legt, um ein möglichst hohes Spezialistenniveau zu erreichen – das von wenigen anderen beherrscht wird. Es wird aufgezeigt, dass heutzutage wenig beachtete Heilfaktoren auch in der Gegenwart zu den verbreitetsten Elementen therapeutischen Handelns gehören – und zu den erfolgreichsten.

Für selbstreflektierende Therapeuten eine lohnenswerte Lektüre und ein interessanter Blick über den eigenen Tellerrand hinaus.

Buchbesprechung von Hans Ortmann , München
Quelle: Physiotherapie in Theorie und Praxis, Nr. 04 April 2015
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