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Dagmar Ziegler (SPD) neue Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg

von Friedemann Ey, VPT Verbindungsbüro Berlin

Bei der Landtagswahl am 19. September 2004 in Brandenburg gewannen die PDS und die rechtsradikale DVU Stimmen hinzu, SPD und CDU mußten dagegen schmerzliche Verluste hinnehmen. Die Sitze der 88 Landtagsabgeordneten verteilen sich nunmehr so auf die vier Parteien (SPD 33, PDS 29, CDU 20, DVU 6), daß der populäre Ministerpräsident Matthias Platzek (SPD) die Qual der Wahl hatte, mit der PDS eine neue Regierung zu bilden oder mit der CDU unter Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) die bestehende Koalition fortzusetzen. 

Die Entscheidung fiel auf die Fortsetzung der bisherigen Koalition. Dabei drehte sich ein wenig auch das politische Personenkarussell und beförderte Ministerin Dagmar Ziegler (SPD) aus dem Finanzressort. Sie wurde am 13. Oktober 2004 zur neuen Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie ernannt und folgte damit dem agilen Günter Baaske, der am 28. September 2004 zum Fraktionsvorsitzenden der SPD gewählt wurde.

Dagmar Ziegler wurde am 28. September 1960 in Leipzig geboren. Von 1977 bis 1980 absolvierte sie eine Ausbildung zur Finanzkauffrau mit Abitur. Anschließend studierte sie bis 1984 Finanzwirtschaft an der Humboldt-Universität in Ostberlin mit Abschluß als Diplom-Finanzökonomin. Ihre Berufslaufbahn begann sie 1984 bei der DDR-Staatsbank in Leipzig, wo sie bis 1987 als Leiterin des Sektors für den Bereich Industrie tätig war. Wie es hieß, hätte sie mit einem Eintritt in die SED Karriere bei der Staatsbank machen können. Doch zog sie es vor, als Ökonomin in die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft des über tausendjährigen Elbe-Städtchens Lenzen (Prignitz) zu wechseln, für die sie bis 1990 tätig war. 

Nach der Wende zunächst längere Zeit arbeitslos, war Ziegler Mitgründerin des SPD-Ortsvereins in Lenzen und engagierte sich in der Folge zunehmend in der Kommunalpolitik. Bis 2000 war sie Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, von 1993 bis 1998 auch ehrenamtliche Bürgermeisterin der 2500 Einwohner zählenden Gemeinde. Die verheiratete Mutter von zwei Kindern gilt als eine freundliche und mitfühlende Frau, die das Herz auf dem richtigen Fleck hat, die aber weiß, was sie will.

Erstmals 1994 strebte sie erfolgreich in den brandenburgischen Landtag, in dem sie nach der Wahl vom 5. Sept. 1999, bei der die SPD mit nur noch 39,3 % der Stimmen die absolute Mehrheit verlor, haushalts- und finanzpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion sowie des Landtagsausschusses für Haushalt und Finanzen, außerdem Mitglied im Landtagsausschuss für Haushaltskontrolle wurde. 

Einige Monate später wurde sie darüber hinaus Mitglied im Untersuchungsausschuß Flughafen Berlin-Schönefeld. Als finanzpolitische Sprecherin ihrer Fraktion hatte sie wesentlichen Anteil an dem Haushaltspaket, das von der neuen SPD/CDU-Koalition geschnürt wurde und die politischen Zielsetzungen beider Regierungsparteien berücksichtigen mußte. Im Juli 2000 wurde sie außerdem zu einer der vier stellvertretenden SPD-Landesvorsitzenden gewählt.

Im selben Monat kündigte die Finanzministerin und gebürtige Dortmunderin Dr. Wilma Simon (SPD) aus gesundheitlichen Gründen ihren vorzeitigen Rücktritt an. Zu ihrer Nachfolgerin berief Ministerpräsident Dr. Manfred Stolpe im September 2000 Dagmar Ziegler. Bei der Landtagswahl im September 2004 mußte Ziegler einen persönlichen Dämpfer hinnehmen. Sicher gewann sie zwar ihren Prignitzer Wahlkreis, doch verlor sie im Vergleich zur Landtagswahl 1999 4,8 Prozent der Erststimmen, während ihre Partei dort nur 2,4 Prozent einbüßte.

Die Wahlperiode in Brandenburg dauert fünf Jahre. Bis Herbst 2009 kann die neue Ministerin, die zugleich zur Gleichstellungsbeauftragten ihres Landes berufen wurde, ihr Haus mit den vier Ressortzuständigkeiten bestellen. Hierzu holte sie sich fachkundige Hilfe aus Baden-Württemberg: Winfrid Alber. Der 1946 in Stuttgart geborene und verheiratete Volljurist mit einem Sohn hat jahrzehntelange administrative und zuvor parlamentarische Erfahrung als Berater der badenwürttembergischen SPD-Landtagsfraktion. Im Sozialministerium Baden-Württemberg war er stellvertretender Leiter der Gesundheitsabteilung und zuletzt stellvertretender Leiter der Sozialversicherungsabteilung und Leiter des Grundsatzreferats. Als politischer Beamter im Range eines Staatssekretärs obliegt ihm die umfassende Verantwortung, das Ziegler-Ministerium nach innen und außen zielsicher zu leiten. Dabei sind haushaltsmäßig eher enge Grenzen gesetzt: 17 Milliarden Euro Schulden drücken das kleine Land.

Dagmar Ziegler (SPD)
Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg

28.09.1960In Leipzig geboren, verheiratet, 2 Kinder 
1980 - 1984Berufsausbildung zur Finanzkauffrau mit Abitur
1980 - 1984Studium der Finanzwirtschaft an der Humboldt-Universität Berlin 
1984 - 1987Leiterin des Sektors für den Bereich Industrie bei der Staatsbank der ehemaligen DDR in Leipzig 
1987 - 1990Tätigkeit als Ökonomin in der LPG in Lenzen 
seit 1990Gründung und Aufbau des SPD-Ortsvereins Lenzen
Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Lenzen (bis 2000) 
1993 - 1998Bürgermeisterin der Stadt Lenzen 
seit 1994Mitglied des Landtages
Direkt gewählt als Wahlkreisabgeordnete im Wahlkreis 1 "Prignitz I" (umfaßt mit Neuzuschnitt im Jahr 2004 die Städte Wittenberge und Perleberg, die Ämter Lenzen-Elbtalaue, Bad Wilsnack/ Weisen und die Gemeinden Karstädt, Plattenburg und Gumtow)
1994 - 2000Mitglied der Ausschüsse für Haushalt und Finanzen sowie Haushaltskontrolle 
1997 - 1999Finanzpolitische Sprecherin und Mitglied der Enquetekommission zur Gemeindegebietsreform 
1999 - 2000Stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende 
Haushalts- und finanzpolitische Sprecherin der SPD Landtagsfraktion Brandenburg 
Stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Haushalt und Finanzen
Mitglied im Ausschuß für Haushaltskontrolle 
seit Juli 2000Stellvertretende Vorsitzende des SPD-Landesverbandes Brandenburg 
2000 - 2004Ministerin der Finanzen des Landes Brandenburg 
seit 13.10.2004Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg
seit 02.11.2004Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg
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