VPT-Meldung
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Gemeinsam stark | SHV konkret - Berufsverbände zogen Bilanz und stellten neue Forderungen

Gemeinsam stark: Die Vorsitzenden der im SHV zusammengeschlossenen Berufsverbände informierten auf der therapie Leipzig über berufspolitische Themen, die Therapeuten auf den Nägeln brennen. Im Bild (von Links) Karl-Heinz Kellermann (VPT), Andrea Rädlein (ZVK), Ute Repschläger (IFK) und Arnd Longrée (DVE).

Rege Diskussionen zeigten, dass die SHV-Veranstaltung zur aktuellen Berufspolitik den Nerv der Messebesucher getroffen hatte. / Foto: A. Stamm

Die politische Veranstaltung auf der therapie Leipzig war ein voller Erfolg. Mit der Podiumsdiskussion unter dem Motto „SHV konkret“ positionierten sich die vier Mitgliedsverbände des Spitzenverbands der Heilmittelverbände (SHV) mit ihren berufspolitischen Forderungen für das Wahljahr 2017.

Am zweiten Messetag der therapie Leipzig berichteten die SHV-Vorstandsmitglieder Ute Repschläger (IFK), Andrea Rädlein (ZVK), Arnd Longrée (DVE) und Karl-Heinz Kellermann (VPT) über die berufspolitischen Erfolge des SHV und die Forderungen, die sie im Wahljahr an die Politik richten.

Vergütung

„Das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz hat uns die Preisangleichungsklausel gebracht, das heißt bis im Jahr 2021 wird es in den Bundesländern keine unterschiedlichen Preise mehr bei den gesetzlichen Krankenkassen geben“, begann Karl-Heinz Kellermann die positive Bilanz, die die Verbandsvorsitzenden gemeinsam zogen. „Wir haben nach dem GKV-VSG die neuen Herausforderungen erkannt und haben unsere Forderungen an die Politik weitergegeben: Wir haben den Wegfall der Grundlohnsummenbindung und die Verkürzung der Schiedsverfahren bei den Vergütungsverhandlungen gefordert und um mehr Autonomie gerungen.“ Das nun vom Bundestag verabschiedete Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) setzt einige langjährige Forderungen der Verbände um, doch werden erst die Verhandlungen mit den Kassen zeigen, inwieweit der befristete Wegfall der Grundlohnsummenbindung auch zu besseren Preisabschlüssen führt. „Wir kämpfen für eine deutlich höhere Anerkennung unserer Leistungen in der Gesellschaft, bei der Politik,  bei den Krankenkassen und bei der Ärzteschaft.“ Bisher seien Therapeutenberufe noch relativ schlecht vergütet, sagte Kellermann. „Unser Hauptziel ist eine der Qualität unserer Leistungen angemessene Preisanhebung. Wir wollen wirtschaftliche Preise, bei denen wir nicht mehr 12 Stunden pro Tag an der Bank stehen müssen.“

Fachkräftemangel

Zum Fachkräftemangel führte der VPT-Vorsitzende aus: „Wir wissen, dass die negativen Preise, die wir heute haben, dazu geführt haben, dass die Berufe im Heilmittelbereich unattraktiv geworden sind. Wir erfahren, dass in den Schulen immer weniger Bewerbungen sind. Bei mir in Magdeburg haben sich 21 junge Menschen für eine Physiotherapie Ausbildung beworben. Als das Examen anstand, waren nur noch 6 Kolleginnen und Kollegen präsent, um das Examen abzulegen. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Praxen. Die Kolleginnen oder Kollegen verlassen den Beruf, machen entweder noch ein Studium oder gehen ganz aus der Branche raus. Die aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sagen, dass wir im Bereich der Physiotherapie nur 1% Arbeitslosigkeit haben. Es gibt 5000 offene Stellen für 1200 nicht beschäftigte Physiotherapeuten. Das ist ein Verhältnis, das einfach krank ist.“ Die Vakanzzeit liege bei 134 Tagen, bis eine Praxis eine Stelle wieder besetzen kann. „Hier muss schnell etwas passieren, damit unsere Berufe wieder attraktiv werden und die jungen Menschen wieder Freude daran haben. Ich bin optimistisch, dass wir durch den Wegfall der Grundlohnsummenbindung zu einem vernünftigen Ergebnis kommen.“

Akademisierung und Ausbildung

„Wir müssen den Nachwuchs sichern“, betonte auch Arndt Longrée vom DVE: „Wir brauchen Ausbildungskostenfreiheit, die Ausbildung muss modernisiert werden, sowohl an den Berufsfachschulen als auch in Richtung der hochschulischen Ausbildung, die Vergütung muss deutlich angehoben werden und was wir letztendlich brauchen ist eine vermehrte Autonomie bis hin zum Direktzugang.“ Der Direct Access ist im nun vorliegenden HHVG noch nicht verwirklicht, doch werden die Kassen und Berufsverbände verpflichtet, Modellvorhaben zur Blankoverordnung durchzuführen. „Ich glaube, dass die Modellvorhaben, wenn wir sie gut gestalten, uns ein ganzes Stück weiterbringen in Richtung Direktzugang und mehr Autonomie“, sagte Andrea Rädlein (ZVK). SHV Vorsitzende Ute Repschläger (IFK) formulierte es noch etwas mutiger: „Was mit Sicherheit kommt, ist der Direct Access. Ich glaube, er ist nicht mehr zu verhindern.“

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