VPT-Meldung
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Hausse bei den Arbeitsuchenden, Baisse beim Stellenmarkt

von Dipl. Verwaltungswirtin Anneliese Schöner

Durch das Inkrafttreten der neuen Heilmittelrichtlinien im Berichtsjahr und die Auswirkungen der Gesundheitsreform sind u.a. auch die Massagen unter starken Druck geraten. In Ostdeutschland mehr wie in den alten Bundesländern. Der Stellenmarkt brach weitgehend ein. Auf der anderen Seite wuchs die Zahl der Arbeitsuchenden ständig an, auch die der Langzeitarbeitslosen und Älteren.

Sowohl die Zentrale Fachvermittlung als auch der Berufsverband hatten rechtzeitig auf den Erwerb von Zusatzqualifikationen hingewiesen, um sich damit in der Prävention ein neues Standbein erobern zu können. Viele Bewerber verfügen leider nicht über die erforderlichen finanziellen Mittel für diese Kurse. 
Nach wie vor werden in Stellenangeboten möglichst viele Zusatzkenntnisse verlangt. Zum Handwerkszeug eines Masseurs gehört mindestens die Manuelle Lymphdrainage. Ohne diese Zusatzqualifikation kommen Bewerber fast nur noch im Wellneßbereich unter. Dort sind sie allerdings einer zunehmenden Konkurrenz aus den neuen EU-Ländern ausgesetzt, die zwar nicht über die klassische Ausbildung mit staatlichem Abschluß verfügt, dafür aber wesentlich kostengünstiger arbeitet.

Im übrigen zeichnet sich im Bereich der Heilmittelerbringer eine Umbruchphase ab: Weg vom Kassenpatienten, hin zum Selbstzahler.
Auch aus diesen Gründen konnte sich der Trend zur fernöstlichen Therapieform verstärken. Wegbereiter für eine ganze Branche sind dabei anspruchsvolle Hotels, Heilbäder und Kurorte. Zielstrebig wurde der Trend genutzt und zu einem florierenden Industriezweig entwickelt. Die Vielfalt der Angebote ist ernorm. Von Gästen wird in die Welt des Wohlfühlens viel Geld investiert, und davon profitieren auch die Masseure und med. Bademeister. 
Demgegenüber steht die hundertjährige Gesundheitslehre Sebastian Kneipp`s mit seinem ganzheitlichen Konzept und untrennbar miteinander verflochtenen Wirkprinzipien. Sie hat bis heute nichts an Aktualität verloren  im Gegenteil. Als Alternative oder Ergänzung zur herkömmlichen Schulmedizin ist sie gefragter denn je. Sie zählt zu den modernsten Naturheilverfahren und ist das einzige Lebens- und Gesundheitsrezept, das auf die europäische Lebensweise zugeschnitten ist.

Trotzdem leidet der interessante und vielseitige Beruf des Kneipp- u. Kurbademeisters an Nachwuchsmangel. Junge Menschen sind an Berufen, die mit frühem Aufstehen und Wochenendarbeit verbunden ist, nicht mehr sonderlich interessiert. Freie Arbeitsplätze werden deshalb häufig mit angelerntem Personal besetzt, das außerdem noch für weitere Tätigkeiten z.B. im Service, Küchenbereich oder als Reinigungskraft eingesetzt werden kann. Die Vermittlung von Menschen mit Behinderung hat trotz aller auftretenden Schwierigkeiten weiterhin sehr hohe Priorität.

Im Berichtsjahr meldeten sich 15 Bewerber mit Schwerbehinderung neu arbeitsuchend (im Vorjahr waren es 20). Die größte Schwierigkeit bei der Vermittlung dieses Personenkreises (überwiegend Sehbehinderte) stellt das fortgeschrittene Alter in Verbindung mit geringer räumlicher Flexibilität dar. Nur mit vielseitigen Hilfestellungen und dem Anreiz an Arbeitgeber für großzügigen finanziellen Nachteilsausgleich gelang die Vermittlung von zwei Schwerbehinderten in Dauerarbeitsplätze. Dabei spielten die Engpässe auf dem Stellenmarkt eine ganz erhebliche Rolle. 

Besorgniserregend entwickelt sich die Situation bei den Anerkennungspraktikanten. Wie ein Flächenbrand breiten sich die gesetzwidrigen Sparmaßnahmen aus, den Anerkennungspraktikanten die Vergütungen zu streichen. Argumentiert wird von seiten der Arbeitgeber mit fehlenden finanziellen Mitteln. Als Alternative wird mit dem Wegfall der Praktikantenstellen gedroht. Jedenfalls werden über die Zentrale Fachvermittlungsstelle für Kneipp-Bademeister und Masseure solche Stellen nicht vermittelt.

Die Massageschulen im Bundesgebiet sind weiterhin gut belegt. Im Berichtsjahr konnten ca. 1.100 SchülerInnen ihre Ausbildung abschließen. Davon qualifizierten sich ca. 20-30 % zu Physiotherapeuten weiter. Dieser Personenkreis traf auf ca. 6.000 Schulabgänger der regulären Physiotherapeutenausbildung. Damit dürfte die befürchtete Marktsättigung allmählich eingetreten sein. Wegen des hohen Frauenanteils unter den Absolventen ist die Fluktuation sehr hoch. Die Verweildauer im Beruf liegt deshalb mit 4 - 4 1/2 Jahren äußerst niedrig.

Wieder einmal wurde die Massage totgesagt. Ein übertriebener Optimismus ist ganz sicher nicht angebracht, doch es besteht die Gewißheit, daß sich schlechtere Zeiten immer mit guten Zeiten abgewechselt haben. Die Leistungen der Heilmittelberufe dürften auch in einem neuen Gesundheitssystem unverzichtbar bleiben.

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