VPT-Meldung
vom

JOCH

von Dr. Sport.Wiss. Stanislaw Majoch

Eine sportliche und Rehabilitationsvariante eines Fahrzeuges zur Korrektur der gesamten Körperhaltung

Hauptaufgabe der Wirbelsäule und ihrer Muskulatur ist es vor allem, den Körper korrekt aufrecht zu halten. Alle Abweichungen von diesem Zustand schwächen das physiologische Funktionieren der Wirbelsäule. Auf diese Weise kommt es häufig zu Kreuzschmerzen nicht nur im vorgerückten Alter, sondern auch in jüngeren Jahren, in manchen Fällen sogar schon im schulpflichtigen Alter, seit längerer Zeit werden sie als Zivilisationskrankheit eingestuft.

Schmerzen entstehen als Folge einer Schwächung der gesamten Muskulatur, insbesondere bei einseitiger Belastung und vor allem in gebeugter Position des Rumpfes.

Die Ursache läßt sich einfach erklären. Augen und Hände befinden sich vorne, dazu kommt auch die nach vorne gebeugte Position des Rumpfes während der alltäglichen Aktivitäten. Dadurch entstehen Kreuzschmerzen mit allen negativen Nebenwirkungen.

Dieses Problem entsteht schon im Säuglingsalter. Der heutige Verzicht auf eine Wiege hat zur Folge eine zwingende Position des Kindes während des Schlafes. Das Schaukeln der Wiege sichert den Komfort für den ganzen Körper, vor allem aber für die Wirbelsäule.
Dazu kommt noch die erforderliche, aber bis heute nicht ausreichende Aufklärung der Eltern über die Notwendigkeit des Vorbereitens des Kindes auf die spätere korrekte Körperhaltung. Dieses Vorbereiten kann man durch einen einfachen Weg erreichen, nämlich durch früheres und langes Üben der Bauch- und Rückenmuskulatur.

Das heutige Tragen des Säuglings in der liegenden Position nach vorne ist die grundlegende Übung bei der späteren Entwicklung der korrekten Körperhaltung in diesem Alter.

Als zweite Übung in diesem Fall gilt das häufige Setzen des Säuglings durch die Mutter, wodurch die Bauchmuskulatur in der Entwicklungsphase, in der das Kind anfängt, allein zu sitzen (6. Monat), trainiert wird. Die Krabbelphase sollte durch die Eltern mit Spielen auf dem Boden verlängert werden.

In der Phase, in der das Kind anfängt, aufzustehen und langsam zu laufen, ist es vor allem für verschiedene Mikroverletzungen der Wirbelsäule durch das ständige Fallen empfänglich. Bei der schwächeren Rückenmuskulatur könnte das sehr gefährlich werden. Vermutlich können solche Mikroverletzungen der Wirbelsäule zu einer Skoliose nicht nur im Kindesalter führen ([6] Abb. 4a, b, c, d, e). Hier haben die Eltern die wichtigste Aufgabe zu erfüllen, nämlich das häufige Üben und gleichzeitige Spielen mit dem Kind, z.B. Hüpfen wie ein Frosch, der sog. Bärengang oder auch das einfache Rollen des Körpers einmal nach links einmal nach rechts.

In dieser schon o. g. Entwicklungsphase (Beginn des Laufens des Kindes) wird nur die Beinmuskulatur entwickelt, so daß es dann an natürlichen (physiologischen) Übungen der ganzen Körperhaltungsmuskulatur fehlt. Dadurch entwickeln sich auch die klassischen Wirbelsäulenverkrümmungen. 
Aus diesen Gründen ist es notwendig, daß man die gezielten Übungen auf den ganzen Bewegungsapparat, also auf die Wirbelsäule anwendet. Es kommt häufig vor, daß Zeitmangel und das Fehlen gut auf diesem Gebiet ausgebildeter Fachleute dazu beitragen, daß der gesundheitliche Zustand unserer Kinder katastrophal ist.
Die Statistiken zeigen alarmierend, daß bei ungefähr 20% der Population Körperhaltungsfehler auftreten (dabei werden sowohl Kinder als auch Jugendliche berücksichtigt). Um diesen katastrophalen Zustand zu verändern, müssen einfach die entsprechenden Übungen eingeführt und durch die auf diesem Gebiet ausgebildeten Fachleute durchgeführt werden. Es ist leider oft so, daß diese Übungen aus finanziellen Gründen nur 1-2mal in der Woche je 20 Minuten statt 2-mal täglich je 20 Minuten durchgeführt werden. Aufgrund der finanziellen Lage wird empfohlen, daß man die Übungsprogramme eben zu Hause durchführt. Natürlich werden all diese Übungen nach einer bestimmten Zeit für die Kinder langweilig und für die Eltern wiederum anstrengend [1, 2, 3, 5, 7].
Um dies zu verändern, werden zur Zeit im Handel verschiedene Spielzeuge angeboten, die die korrekte Körperhaltung sichern sollen. So gibt es heutzutage verschiedene Fahrräder und Autos, die allerdings nur die Beinmuskulatur und oft in einer krummen Position trainieren.
Das Händehalten auf den Schultern mit einem Gymnastikstock auf dem Rücken ist eine schon bekannte Übung für die korrekte Körperhaltung (das Beugen des Oberkörpers und das Laufen in dieser Position). Das Problem liegt aber darin, daß das Halten des Gymnastikstocks auf dem Rücken alleine die Rückenmuskulatur nicht stärkt.
Diese Übung gibt nur eine Vorstellung über eine korrekte Körperhaltung des Kindes. Die korrigierte Position ist in diesem Fall nur eine Ausgangsposition zu den schwierigen Kraft- und Ausdauerübungen der Rücken- und Bauchmuskulatur und kann dadurch zu einem sehr guten Anfang beim Üben der korrekten Körperhaltung werden.

Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist die Rehabilitation der Wirbelsäule und der ganzen Körperhaltung durch Bildung eines Muskelkorsetts, insbesondere durch Stärkung der Muskeln, die dann das physiologische Funktionieren des sehr komplizierten Bewegungsapparates, nämlich der Wirbelsäule, sichern sollen.
Zur Lösung dieser Aufgabe wurde das Konzept eines Trainingsgeräts entwickelt, welches über einen Sitz sowie einen etwa im Sitzbereich schwenkbar gelagerten Wipphebel mit einer Rückenlehne verfügt. Mit dem Wipphebel sind ungefähr in Höhe der Schultern oder darüber angeordnete Handgriffe verbunden. Die wechselweise nach vorne und nach hinten gerichtete Wippbewegung wird durch eine geeignete Vorrichtung gebremst. Durch die Position der Handgriffe wird eine aufrechte Stellung des Körpers gewährleistet. Aufgrund der Lage des Wipphebels bzw. der Rückenlehne erfolgt eine Bewegungskopplung, durch die der Wipphebel nur durch Bewegen des Oberkörpers nach vorne und hinten bewegt werden kann. Durch diese Bewegung des Rumpfes werden insbesondere die Rücken- und Bauchmuskeln aktiviert.
Die Korrektur der Rumpfhaltung wird durch das Greifen der Handgriffe auf der Höhe der Schultern gewährleistet.
Das Gerät erhielt von seinem Erfinder den Namen "JOCH".

Eine besonders vorteilhafte Ausführungsform der Erfindung sieht vor, daß die die Wippbewegung bremsende Wirkung mit Hilfe der Masse eines Land- oder Wasserfahrzeugs erreicht wird. Auf dem Fahrzeug wird ein Sitz und ein Wipphebel angebracht, der über eine Antriebsverbindung mit zumindest einem Antriebselement des Fahrzeuges verbunden ist.
Auf diese Weise ist mit Hilfe der Vor- und Zurück-Wippbewegung des Oberkörpers ein Fortbewegen des Fahrzeuges möglich. Hierbei macht man sich einen psychologischen Vorteil zunutze, nämlich daß der Spaßfaktor (insbesondere bei der Behandlung von Kindern) ein frühzeitiges Einsetzen der Langeweile verhindert und dadurch die Patienten mental nicht so schnell ermüden. Die Bewegung und das Betreiben des Fahrzeuges macht Kindern Spaß und deckt während der Therapiezeit den ganzen Bewegungsbedarf eines Tages.

Eine besonders einfache Konstruktion entsteht, wenn der Wipphebel etwa T-förmig mit seitlich-waagerecht befestigten Griffen angebracht ist. 

Eine weitere Variante ist denkbar, und zwar die Griffe mit kurbelförmigen Halterungen zu verbinden, die drehbar sind und in unterschiedlichen Drehlagen fixiert werden können. Dadurch ist auch eine gute individuelle Anpassung an die Bewegungsmöglichkeiten eines Patienten im Bereich der Schultergelenke gewährleistet, da die Bewegungsfreiheit nach hinten bei untrainierten Personen häufig eingeschränkt ist. 
Dabei ist es zweckmäßig, wenn die Handgriffe vorzugsweise unabhängig voneinander höhenverstellbar sind. Damit besteht auch die Möglichkeit, verschiedene Arm- bzw. Handhaltungen vorzugeben. Beispielsweise kann durch Strecken der linken Hand nach oben eine Korrektur einer Skoliose im Bereich der rechten Brustkorbhälfte erfolgen, wobei gleichzeitig die posturalen Muskeln gestärkt werden. Bei einer Skoliose der linken Brustkorbhälfte wird dementsprechend der rechte Arm weiter nach oben gestreckt.
Eine weitere Verfeinerung der Erfindung sieht vor, daß der Sitz über für beide Gesäßhälften separate Sitzflächen verfügt, die vorzugsweise voneinander unabhängig hö-henverstellbar sind. Dadurch lassen sich die Schräglagen von beispielsweise 10 bis 15° erreichen mit dem Ziel einer Korrektur des Beckens und einer Lendenskoliose im linken oder rechten Bereich.
Eine andere Ausführung der Erfindung sieht vor, daß der Wipphebel über eine Verlängerung nach oben verfügt, die dann als Kopfhalterung fungiert. Dabei besteht die Möglichkeit, daß die Wipphebelverlängerung an ihrem oberen, freien Ende über eine Befestigungsstelle für eine Kopfhalterung, insbesondere eine Glissonschlinge, verfügt. Dadurch ist eine zusätzliche Korrektur des Rumpfes und des Kopfes, z.B. im Bereich der Halswirbelsäule oder bei einem Bandscheibenvorfall in diesem Bereich der Wirbelsäule, möglich.
Auch etwa in der Höhe des Bauchnabels des Patienten kann ein mit dem Wipphebel verbundener Haltegurt zur Stabilisierung des Rumpfes vorgesehen sein. Damit ist eine Stabilisierung während der Fahrt möglich, was insbesondere bei kleineren Kindern vorteilhaft ist und gleichzeitig wird auch einer Lendenlordose vorgebeugt.
Als Rückenstütze kann eine breite, glatte aber auch poröse Unterlage verwendet werden. Es kann aber auch eine Matte aus Holzkugeln zur Stimulation der Rückenmuskulatur verwendet werden.
Bei Umsetzung des Trainingsgerätes als Fahrzeug ist eine mit den Füßen zu betätigende Lenkung vorgesehen. Auf diese Weise kann das Gerät besonders gut auch als Spielgerät für Kinder eingesetzt werden.

Das Trainingsgerät kann in einer sportlichen und in einer Rehabilitationsvariante gebaut werden. Die Rehabilitationsvariante bietet wesentlich mehr Einstellungsmöglichkeiten und Anpassungen an evtl. vorhandene Skoliosen. 

Erwähnt sei noch, daß das Trainingsgerät auch als Standardgerät ohne Fahrgestell angebracht werden kann, wobei eine spezielle Vorrichtung zum Abbremsen der Hin- und Herbewegung des Wipphebels vorgesehen ist. Diese Bremsvorrichtung läßt sich dann auf unterschiedliche Belastungen einstellen, z.B. wie in den Fitneßstudios die populären Spinning-Geräte. So wie diese kann das Gerät durchaus seinen Platz im Fitneßbereich als eine ergonomische und gesundheitsbewußte Trainingsvorrichtung finden.

Anstatt eines Landfahrzeuges mit Rädern kann das Trainingsgerät auch als Wasserfahrzeug gebaut werden, wobei dann für die Vor- und Zurückbewegung des Wipphebels zum Antreiben beispielsweise eine Schiffsschraube verwendet wird.

Die Fahrt mit dem Fahrzeug JOCH garantiert höchste Bequemlichkeit und eine komfortable Bewegungsmöglichkeit. Dadurch bildet es eine optimale Möglichkeit zur Rehabilitation der Wirbelsäule und zur Korrektur der Haltung.
Schon Zweijährige lernen es, sich problemlos mit diesem Fahrzeug bei korrekter Körperhaltung im Rhythmus des Ein- und Ausatmens zu bewegen, wobei bei der Rumpfbewegung nach hinten eingeatmet und bei einer Rumpfbeuge nach vorne ausgeatmet wird. Die Beine/Füße bewegt das Kind ausreichend während der alltäglichen Aktivitäten, wie z.B. beim Fahrradfahren, wo allerdings eine krumme Haltung des Rumpfes zu beobachten ist. Als zusätzliches Spiel neben der Anwendung unseres Fahrzeuges ist dies jedoch akzeptabel. Beim Ruderbootfahren ist zwar eine ähnliche Funktion wie bei dem Fahrzeug JOCH vorhanden, allerdings ist aber keine korrekte Körperhaltung gewährleistet. Bei dem Fahrzeug JOCH wird die Lendenlordose durch den Gürtel auf der Höhe des Nabels korrigiert. Der Gürtel stabilisiert die ganze Körperhaltung, und ein weiterer Gürtel an der Stirn hält den Kopf in einer sicheren, korrigierten Stellung, was im Ganzen einen therapeutischen Komfort für die ganze Körperhaltung darstellt. Dabei befinden sich die Hände neben den Schultern an den Handgriffen, vergleichbar mit der Haltung bei einem über die Schulter gelegten Gymnastikstab mit den Handrücken nach hinten.
Das Brustschwimmen als Alternative fordert die Rückenmuskulatur in der sechsstufigen Lowetts-Skala nur im dritten Grad. Es muß betont werden, daß hierbei auch eine Tendenz zu einer Lordose der Lendenwirbelsäule auftritt, da hauptsächlich nur Hand- und Beinmuskeln arbeiten. 
Der psychologische Faktor spielt bei diesem sportlichen Korrekturspiel eine sehr wichtige Rolle, weil das Kind nicht gelangweilt ist, also auch psychisch nicht so schnell ermüdet. Es hat Spaß, und gleichzeitig wird sein Bewegungsbedarf gedeckt.
Die Rolle der Eltern besteht darin, das Spiel ihres Kindes zu kontrollieren. Es wäre empfehlenswert, diese Art des sportlichen Spiels mit dem hier beschriebenen Fahrzeug in Kindergärten einzuführen. 

Aus all diesen Überlegungen über die Notwendigkeit und der Verwendbarkeit des Fahrzeuges JOCH in seiner sportlichen und Rehabilitationsvariante bei der Bildung der korrekten Körperhaltung ergibt sich, daß es angebracht wäre, diese Sportart auch während der Schulzeit und dann während der Arbeitszeit fortzusetzen, um die korrekte Körperhaltung und die volle Leistungsfähigkeit der Wirbelsäule in jedem Alter zu sichern.
Erwähnt sei, daß das Fahrzeug JOCH in seiner sportlichen und Rehabilitationsvariante in Deutschland und Polen in Form der verliehenen Patente seine Anerkennung fand.

Literatur
1. Majoch, S.: Übungen mit einer Scoliose I. Kultura Fizyczna 1971, Nr. 7
2. Majoch, S.: Kinesytherapie bei der Heilung der seitlicher Scoliose. PZWL, Warszawa 1974
3. Majoch, S.: Kinesytherapie bei Scoliosen der Neugeborenen. Kultura Fizyczna 1980, Nr. 4
4. Majoch, S.: La natation au service de la reeducation. Annales Kinesitherapie 1991, Nr. 9
5. Majoch, S.: Therapeutische Übungen bei Skoliosen I Grades im Kindesalter zur Durchführung unter häuslichen Bedingungen. Physikal. Ther. 18 (1997) 6
6. Majoch, S.: Verletzungen als mögliche Ursache seitlicher Rückgratverkrümmungen. Physikal. Ther. 19 (1998) 10
7. Malonowska, K., M. Smigelska, A. Naciuk: Übungen für Kinder und Jugendliche mit seitlicher Scoliose. PZWL, Warszawa 1985

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