VPT-Meldung
vom

Kompendium der Podologie - Syntagma pedicum

von Matthias Baruschke

Wir haben nur zwei, unersetzbare Füße. Aus diesem Grund sollten wir unseren Patienten etwas mehr Informationen über ihre Füße und die Ursachen und Zusammenhänge von Fußschäden, Fußdeformitäten und deren Folgen vermitteln.

Besonders unter dem Aspekt der progressiven Restriktionen im Gesundheitswesen und dem sich weiter verändernden Verordnungsverhalten im Heil- und Hilfsmittelbereich gewinnen privatwirtschaftliche therapeutische Bereiche, wie eine kompetente Podologie, an Bedeutung. Besonders der Krankengymnastik kommt mit dem gezielten Training der Fußmuskulatur eine große Wirkung und Bedeutung zu. Da der alltägliche monotone Einsatz differenzierte Aktivitäten der kleinen Fußmuskeln mit ihren komplexen Fähigkeiten unberücksichtigt läßt, muß das gewählte Aufgabenprogramm gezielte Ausgleichsbewegungen und damit Muskelatrophien und partielle Schwächen aufheben. Eine auf Dauer angelegte physiotherapeutische Behandlung, welche den Patienten weitgehend in die Unabhängigkeit und Selbstverantwortung entläßt, sollte im Sinne einer möglichst geringen Kostenintension den Vorzug erhalten. Dies fördert auf Dauer eher das Vertrauen sowie die Akzeptanz in die Therapie und ermöglicht eine konsequente und regelmäßige Durchführung.

Nur etwa 20 % der Population haben heute noch physiologisch gesunde Füße. 80 % unserer Bevölkerung leiden somit an Fußschäden, welche ursächlich für andere reaktive Pathologien und Degenerationen werden können. Dies ist sicherlich nicht nur auf eine schlechte konstitutionelle Lage zurückzuführen, sondern auf ein mangelndes Bewußtsein und Verantwortungsgefühl für unsere Füße. Kein anderes Organ unseres Körpers arbeitet wohl soviel, ausgenommen das Herz. Darum bedürfen sie besonderer Beachtung, Pflege und Prävention.

Der Fuß besteht aus 28 kleinen Knochen, wobei mehr als 100 Ligamente, Sehnen und Muskeln miteinander über 33 Gelenke korrespondieren. Er trägt täglich durchschnittlich 12 Stunden am Tag 70 kg Körpergewicht. Ist er dann noch in engen Schuhen eingeschlossen, durch fehlende Hygiene vernachlässigt, ständig unelastischen Bodenbelägen ausgesetzt, kommt es nach geraumer Zeit unmittelbar und unausweichlich zu Fußschäden.

Wesentliche Ursachen der Fußpathologien können als

1. innere Ursachen
• Muskel-, Bänder- Bindegewebsschwäche
• Anlage und Vererbung
• Nervenerkrankungen
• Gelenkerkrankungen
• Durchblutungsstörungen

2. äußere Ursachen
• Bodenbeschaffenheit
• Schuhmode
• Adipositas
• Traumen
• Beruf
benannt werden.

Es kommt zu Veränderungen der Zehen und Nägel sowie der Fußgewölbe, und das kann sich bei längerer Nichtbeachtung am gesamten Organismus rächen, z.B. mit degenerativen Bandscheiben-Problematiken, Kopfschmerzen, schmerzenden Beinen, Neuralgien, Pilzerkrankungen, Fußdeformitäten.
Diese Beschwerden führen reflektorisch zu einer Schonhaltung und damit zu Bewegungsmangel. Dies schadet dem Gesamtorganismus und seinen Funktionen, wie Bewegung, Organpulsation, Stoffwechsel, Durchblutung, Kreislauf, Atmung. Selbst orthopädische Erkrankungen und andere Symptome (Nagel-Patella-Syndrom) können aus Fußleiden resultieren.
Geschädigte, überbelastete Füße machen das Regelleben, Stehen, Gehen zur Qual und immobilisieren.
Nun gibt es schon genug von der Industrie angebotene Produkte. Von Pflegeprodukten, Akupressur-Rollern und Einlegesohlen über Fußmassagewannen und fußmedizinische Hilfsmittel. Dadurch werden viele Funktionen der Körperorgane positiv beeinflußt und die Aufmerksamkeit dem versteckten Organ Fuß zugewendet und stimuliert. Sie bewirken eine Erfrischung und Hyperämie, versprechen Gesundheit und Wohlbefinden. Dennoch gibt es viele Menschen, die bereits an Fußkrankheiten leiden. Sei es, weil ihnen durch äußere oder innere Einflüsse und weil sie spät, oft zu spät, auf ihr Fehlverhalten und die damit verbundenen pathologischen Zusammenhänge aufmerksam gemacht werden.
Unsere Aufgabe sollte es sein, bei Erkennen von Fußerkrankungen und Deformitäten die Patienten darauf aufmerksam zu machen und sie zur Klärung ggf. an einen Arzt verweisen.
Zum Erkennen von Fußbeschwerden im Anfangsstadium und zur Erhaltung der Erwerbstätigkeit jedes einzelnen ist rechtzeitige Aufklärung und fachmännische Beratung unabläßlich.

Wenden wir uns zunächst Veränderungen der Zehennägel zu. Der Zehennagel besteht aus verhornten Zellen der Epidermis. Aus kreatinhaltiger Flüssigkeit als Vorläufer der Zellen, die zur Verhornung kommen.
Gebildet wird er von der Nagelmatrix. Der Nagel schiebt sich über das Nagelbett hinweg. Das Wachstum der Nagelplatte wird durch den Nagelwall und das Nagelhäutchen bestimmt. Der Nagelwall läuft im Nagelhäutchen aus, dem eine wichtige Schutzfunktion für die Nageltasche zukommt. Leider wird es oft bei der Nagelpflege verletzt oder beseitigt. Am proximalen Ende hat der Nagel den Nagelmond, am distalen seinen freien Nagelrand. Seine Oberfläche ist glatt, während die Unterseite längsverlaufende Leisten aufweist.

Der Nagel besteht aus drei Schichten:
1. Dorsalschicht
2. Intermediarschicht
3. Ventralschicht

Die Nägel und die Haare als Anhangsgebilde unseres Körpers setzen sich zusammen aus:
Kohlenstoff (C) 49,6%
Sauerstoff (O) 23,2%
Stickstoff (N) 16,8%
Wasserstoff (H) 6,4%
Schwefel (S) 4,0%

Bei einen Veränderung dieser Zusammensetzung durch Krankheit, Entwicklungsstörung, Stoffwechselstörung oder Chemikalien, die die Konsistenz des Nagels verändern, eventuell auch die Haut, wird der Nagel spröde, mehlig und reißt (Splitternagel).
Geschlechtskrankheiten, wie Lues II. Stadium, führen zu Nagel- und auch Knochenzerstörung. Weiterhin sind anzuführen:

Gefäßerkrankungen
Durchblutungsstörungen (arteriell/venös)

Sklerodermie
Tödliche Systemerkrankung des Bindegewebes

Wachstumsstörungen,
bei denen sich der Nagel terrassenartig aufblättert
Psoriasis und andere Nagelbettveränderungen, wie z.B. Ekzeme, Mineralstoffwechselkrankheiten, Kalzium-Phosphatmangel, Onychomykosen (Nagelpilzerkrankungen), Tumor-Melanome, welche sich sehr schmerzhaft, dunkelrot oder dunkelblau zeigt.

Leberzirrhose/Kreislauferkrankungen
Hier kann es zu einem Kolbenmangel kommen. Eine weißliche Verfärbung des Nagelbetts bei einer fehlerhaften Blutzusammensetzung kann an einer Leber- und Nierenveränderung liegen.

Eisenanämie/Ekzem
Kann den Löffelnagel (konkave Nagelplatte) zur Folge haben, wobei sich ein schwarzes Loch im Nagel bildet.

Pedikürtrauma
Hierbei wird der Nagelwall verletzt. Dadurch kommt es zu einer Einlagerung von stark lichtbrechenden Körnchen und zu einem deutlich sichtbaren hellen Fleck. Je nach Stärke und Art der Verletzung kann es zu einer Hämatombildung kommen. Diese zeigt sich dunkelrot/dunkelblau-schwarz und täuscht ggf. einen Tumor unter dem Nagel vor. Aus diesem Grund wird auch ein Melanom im Nagelbett leicht übersehen.

Paronychie (eitrige Infektion des Nagelwalls)
In den meisten Fällen dringen die Erreger an Stellen ein, an denen der Nagelwall verletzt wurde. Dies wird durch äußere Umstände, Einwachsen des Nagels, durch Nagelpflege (Schere/Feile) verursacht. Diese akute Paronychie kann durch das Eindringen von Bakterien in das Gewebe ins Chronische übergehen. Begünstigend für die chronische Paronychie ist das Entfernen des Nagelhäutchens. Ekzem an den Zehenenden sowie das Arbeiten in feuchtem Milieu, z.B. Fleischer, Hausfrau, Garten- und Landschaftsbaufacharbeiter/in.

Einwachsen der Nägel
Falsches Schneiden der Nägel (Seitenränder der Nägel werden abgeschnitten), schlecht sitzendes Schuhwerk führen zum Einwachsen in das Nagelbett, zu entzündlichen Veränderungen (Paronychien).

Onychomykose (Pilznagel)
Er kann den ganzen oder nur einen Teil des Nagels befallen. Er breitet sich netz-/gitterartig aus.

Die Onychomykose kann durch
• leichte Trübung am freien Nagelrand, 
später
• helle Streifen in Richtung Matrix (Nagelwurzel),
• der Nagel wird brüchig und bröckelig,
erkannt werden.
Bei fortschreitender Onychomykose
• verfärbt sich die Nagelplatte gelb/braun,
• löst sich vom Nagelbett,
• der Nagel verdickt und wird leicht mit einem Holznagel verwechselt.

Psoriasis (Schuppenflechte)
Eine weißlich-gelbe Trübung zieht sich durch den Nagel, auch verbunden mit einer Strukturänderung. Hier tritt eine bogenförmige, begrenzte Nagelveränderung ein.

Onychomykosen sowie Psoriasis treten auch kombiniert auf. Der Befall der Nägel durch Pilze weist meist auf eine Grundkrankheit, wie z.B. mangelnde Durchblutung, hin.
Die Psoriasis bahnt dem Pilz aufgrund der sich verändernden epidermischen Struktur den Weg, bildet er aber allein die Ursache, kann eine Psoriasis ausgeschlossen werden.

Nagelrandverdickung 
Verursacht durch den Druck des Schuhes, der Strumpfnaht oder einer Fußdeformität auf die Keimschicht des Nagels. Diese regt zu vermehrter Proliferation der Hautzellen an, so daß die natürliche Überstärke des Nagelrandes ins Unmäßige verdickt und schmerzhaft wird. Die gleiche Ursache haben auch die Nagelwurzelverdickung, der Spann- oder Zangennagel.

Holznagel
Er erscheint wie morsches Holz, ist spröde, rissig, mehlig. Er entsteht überwiegend durch äußere Einwirkungen auf das Nagelbett und die Nagelwurzel. Begünstigend wirkt sich das Alter und die Zusammensetzung des Nagels aus.
Narben auf der Nagelwurzel verhindern eine Verbindung des wachsenden Nagels mit dem Nagelbett, hierdurch kommt es zu einem Ausfall der Nutrifizierung, die durch Diffusion erfolgt. Narben auf dem Nagelbett heben den Nagelkörper ab, und er wird hohl. Hier kommt noch die Gefahr des Nagelpilzbefalls hinzu.

Holzkrallennagel
Er ist die Folge eines unbehandelten Holznagels. Er unterscheidet sich vom "tierischen" Krallennagel äußerlich kaum.

Beim "tierischen Krallennagel" wächst zur festeren Verankerung das Nagelbett als durchbluteter Gewebsrüssel in den Nagel hinein. Beim Dünnfräsen muß daher auf diesen Gewebsrüssel besondere Beachtung gelegt werden.

Nagelwurzelverdickung
Sie kann durch Tragen von unpassendem Schuhwerk, zu kurzen Strümpfen, durch ständigen Druck auf die Nagelwurzel, z.B. durch Strumpfnähte, auftreten. Es kommt zu einem schmerzhaften Anstau von Nagelmaterial in der Nagelmatrix. Da nun das Längenwachstum des Nagels behindert ist, weicht er in die Höhe aus. Die Folge ist eine äußerst druckdolente Nagelwurzelverdickung, die bis zu 1 cm dick werden kann.

Rollnagel
Seine Ursachen sind auch in zu kleiner Fußbekleidung zu sehen und auch auf Fußdeformitäten und genetische Faktoren zurückzuführen. Seine Eigenart ist eine zu starke Einwölbung im Längs- wie im Querschnitt des Nagelkorpus. Durch zu langsames Wachstum der ventralen Schicht der Nagelplatte überkrümmt sich die Nagelspitze und zeigt die Neigung, in die Zehenkuppe zurückzuwachsen. Die fest aufgepreßte Nagelspitze läßt eine Verschuppung der darunterliegenden Epidermis nicht mehr zu. Die Folge davon ist eine Hornhautansammlung, die in die Tiefe wuchert.

Spaltnagel
Bei ihm besteht die Matrix aus zwei Teilen, verursacht durch eine äußere Gewalteinwirkung mit Verletzung des Nagelbettes. Der Nagel wächst immer in dieser Mehrteilung/Deformität nach.

Spann- oder Zangennagel
Die Ursachen liegen ebenfalls in Fußdeformitäten (ein Zeh steht über dem anderen) und in zu geringer Bewegungsfreiheit in den Schuhen und Strümpfen, was die Vielfältigkeit der Fußveränderungen bei gleicher Ursache dokumentiert. Da wir uns überwiegend auf hartem, unnatürlichem Boden bewegen (Asphalt, Beton etc.), die Füße aber für natürliche Beläge (Waldboden, Sand, Wiesen) geschaffen sind, werden auf Dauer Fußschäden, die wir auch als Zivilisationskrankheiten bezeichnen können, daraus resultieren.

Anatomie des Fußes
Das Fußskelett (Abb. 9) weist eine Dreiteilung auf:
• Tarsus (Fußwurzelknochen)
• Metatarsus (Mittelfußknochen)
• Digiti/Phalangia pedes (Zehen)

Die Fußwurzelknochen können in eine tibiale Gruppe
• Talus (Sprungbein)
• Os naviculare (Kahnbein)
• Ossa cuneiforme (Keilbein)
und in eine fibulare Gruppe
• Calcaneus (Fersenbein)
• Os cuboideum (Würfelbein)
unterteilt werden.

Der Talus überträgt die gesamte Last des Rumpfes auf die Füße.

An der Verspannung der Fußwölbung sind neben den Bändern auch Muskeln beteiligt. Zur Verspannung und Erhaltung der Fußwölbung können nur Muskeln dienen, die unter den Fuß ziehen. Dies sind in erster Linie die kurzen Fußmuskeln:
• Mm. lumbricalis
• Mm. interossei plantares
• Mm. interossei dorsales
• M. flexor digitorum longus
• M. flexor hallucis longus
• M. tibialis posterior

Da die Sehnen des zuletzt genannten Muskels schräg unter dem Fuß verlaufen, lassen sich die wirksamen Endstrecken in Quer- und Längskomponenten zerlegen. Je nach Größe der einzelnen Komponenten wirken die Muskeln auf die Erhaltung der Quer- und Längswölbung. 
Der Fuß ist ein Gebilde, welches nicht in sich stabil ist, sondern gegen die Schwerkraft erhalten und bewegt werden muß. Der Fuß kann durch Muskelkraft aufgerichtet werden und sinkt in eine Ruhestellung, wenn die aufgerichteten Kräfte ausgeschaltet werden. Einmal hat der Fuß die gesamte Last des Körpers zu tragen und zum anderen kommt ihm die Hauptfunktion bei der Fortbewegung zu. Das Bein ist sowohl tragende Stütze beim Stehen und fortschiebendes Stemmwerkzeug. Zum Auffangen von Druck und Last ist die Gewölbekonstruktion am günstigsten. 
Deshalb zeigt der menschliche Fuß eine solche Konstruktion. Ein Quergewölbe und zwei Längsgewölbe, die vor allem dem Auffangen der Last dienen. 
Das Fußlängsgewölbe ist kein Gewölbe im architektonischen Sinn, welches in sich ruht und durch Belastung noch fester wird. Viel eher ist es mit einem engen Bogen und einer Sehne zu vergleichen. Durch die Spannung der Sehne wird Festigkeit gewonnen. 

So wird auch das Fußgewölbe nur tragfähig durch Unterspannen mit Bändern und Muskeln. Gegenüber dem ständigen großen Druck, der einwirkt, ist es notwendig, die Aufrechterhaltung der Gewölbe durch eine kräftige Fußsohlenmuskulatur, deren Tragkraft auf 200 kg berechnet wird, und entsprechend starke Sehnenplatten zu gewährleisten. 
Der kräftige, aktive Bewegungsapparat der Fußsohle wird von zwei bindegewebigen Gebilden der Plantaraponeurose und dem langen Fußsohlenband (Lig. plantare longum) gebildet. Der Sehne des M. hallucis longus kommt eine besondere Bedeutung zu. Sie unterfängt das Sustentaculum. 

Alle genannten Muskeln üben bei einer Kontraktion, deren Stärke reflektorisch durch das Auftreten der Fußsohle reguliert wird, einen starken Zug auf das Längsgewölbe aus, so daß sich bei stärkerer Belastung der Abstand Calcaneus - Ossa metacarpalia eher verkleinert als vergrößert. Daher kommt es, daß längeres Stehen ermüdet. Mehr ermüdet als Gehen, weil beim Gehen die infrage kommenden Muskeln nicht einer Dauerkontraktion ausgesetzt sind. Nur das ständige Wechselspiel der Muskulatur ist die Grundlage unserer Ausdauer und bewirkt, daß wir auf natürlichem Boden viel ausdauernder und beschwerdefreier laufen können als auf betonierten Wegen. Der künstliche Bodenbelag beansprucht den Fuß eintönig und führt so eher zu einer Ermüdung der Muskulatur.

Belastungsdeformitäten
Die physiologische Gewichtsverteilung auf den Fuß wird meist durch falsches Schuhwerk (hohe Absätze) ungünstig beeinflußt. Eine homostatische Gewichtsverteilung ist nur waagerecht möglich. Durch hohe Absätze verlagert sich die Körperbelastung auf den vielgliedrigen Vorfuß und begünstigt die Entstehung eines irreparablen Spreizfußes mit adaptiven valgus-/varusierenden Zehen. 
Die Fußknochen sind bogenförmig aufgebaut, tragen das ganze Körpergewicht natürlich federnd, der Fuß erhält Elastizität und Beweglichkeit. Drei Bögen gewährleisten dies: 

Äußerer Längsbogen
Er wird in der Hebestellung sichtbar. 
Verlauf: Calcaneus, Os cuboideum, 5. Metatarsalia. 
Seine Aufgabe ist es, die Belastung des Fußes beim Gehen aufzufangen. Die funktionelle Längsachse des Fußes verläuft vom lateralen Calcaneus bis zum Großzehengrundgelenk. 
Die Verwringung der subtalen Fußplatte (Inversion des unteren Sprunggelenks und Pronation des Vorfußes) und Formgebung der Fußwölbungen ermöglicht die Erhaltung der Fußlängsachse in der Fortbewegungsrichtung. 

Innerer Längsbogen 
Er übernimmt die Gewichts- und Lastenverteilung. 
Verlauf: Calcaneus - 1. Zehengrundgelenk an der medialen Seite des Fußes, gebildet von Calcaneus, Talus, Os naviculare und inneres Os cuniforme, 1. Metatarsus. 

Vorderer Querbogen
Verlauf: unter den Köpfchen der fünf Metatarsen. Auflagepunkt Caput metatarsalis hallucis und den 5. Caput ossium metatarsalia. 
Dieser Bogen senkt sich bei jedem Schritt und hebt sich bei Entlastung. Bei ständiger Überbeanspruchung wird er überdehnt und verliert seine Bogenform. Eine häufige Belastungsdeformität, begünstigt durch zu spitze Schuhe und durch einen vorhandenen Spreizfuß, ist der 
Hallux valgus, eine Abknickung der Großzehe in ihrem Grundgelenk zur Kleinzehenseite hin, wobei die Mittelfußknochen (MFK) Os metatarsalia I nach medial und Os metatarsalia V nach lateral abweichen. 
Die Haut über dem Ballen ist oft verhornt und entzündet. Auch eine Bursitis ist häufig sowie Krallenzeh- und Hammerzehbildung und Hühneraugen. 
Der Hallux valgus ist mit einem Spreizfuß verbunden. Die Varusstellung/Abspreizung des I. MFK stellt wahrscheinlich die Hauptursache dar. Der sich verändernde Zugwinkel des M. adductor hallucis und die aus der relativen Schwäche des M. abductor hallucis resultierende Zugverstärkung der Extensorenmuskulatur fördern diese Stellungsänderung zusehends. Eine genetische Präposition wird diskutiert, da Frauen häufiger davon betroffen sind. In Japan ist diese Fußdeformität weitgehend unbekannt; also kann das Tragen von zu enger Fußkleidung nicht der Hauptgrund sein.

Pes metatarsus (Spreizfuß) 
ist die am häufigsten verbreitete Fußerkrankung. Das vordere Quergewölbe flacht ab bzw. senkt sich, und der Vorfuß geht in die Breite. Es folgt eine übermäßige Verhornung der Mittelfußköpfchen I -V. Er ist äußerst schmerzhaft und druckempfindlich unter den Köpfchen der Metatarsalen. Hammerzeh und Krallenzehbildung sowie auch Ballenbildung durch einen auftretenden Hallux valgus können Spätfolgen sein. Ebenso verdickte Zehennägel und Hühneraugen. 
Wenn heranwachsenden Kindern in einem zu frühen Alter das Laufen gelehrt wird und sie öfter als notwendig in Schuhen laufen müssen, kann der Spreizfuß schon ab dem dritten Lebensjahr auftreten. Die Bänder, Sehnen und Muskeln bekommen dann keine Möglichkeit, sich auszuprägen und damit kräftig genug zu werden für ihre Aufgabe, das Körpergewicht richtig verteilend zu tragen. Bald versagen oftmals auch die starken, elastischen Längsmuskeln, was zu einer Abknickung der Knöchelgelenkachse bei Belastung zum Pes valgus/varus führt. 

Pes valgus/varus (Knickfuß)
Der innere/äußere Knöchel tritt stark hervor. Eine Verschiebung im unteren Sprunggelenk ist vorhanden, wodurch das Fersenbein nach außen/innen abweicht. Häufiges Abknicken des Fußes nach außen/innen beruht meist auf einer angeborenen oder erworbenen Gelenk- oder Bänderschwäche, wobei auch ein erhöhtes Körpergewicht (Adipositas) eine Rolle spielt. Schließlich verliert das Längsgewölbe seine Spannkraft und senkt sich,

Pes planum (Senk- oder Plattfuß)
ist die Folge. Da er oft schmerzlos ist, bleibt er unbeachtet. Durch die veränderte Belastung wird der Fuß jedoch einige Zentimeter größer, und zunehmender Druck auf die Zehen ist nicht zu vermeiden. Gegebenenfalls entwickelt sich ein vollständiger

Pes planum (Plattfuß)
Er ist die gravierendste Fußdeformität, bei der sich alle Fußgewölbe absenken. Im belasteten wie in unbelastetem Zustand bleibt er völlig flach. Die natürliche Schrittabwicklung ist gänzlich gestört. Man unterscheidet den
• passiv beweglichen; ein elastisches Abrollen ist möglich, und den
• fixierten, versteiften; d.h. der Fuß ist im Sprunggelenk und in den Fußwurzeln fixiert
• er ist kaum bzw. gar nicht beweglich.

Der angeborene Plattfuß mit Fehlbildung der Mittelfußknochen und daraus resultierender Fehlstellung ist sehr selten. Oft liegt lediglich eine Bänderschwäche und eine Schwäche der das Fußgewölbe unterstützenden Muskulatur vor, die sich fortschreitend und auch anlagebedingt verstärkt und zu einer Abflachung und oft auch Abknickung der Fußgewölbe führt. 

Pes planum (bei Kindern)
Er ist normal. Das Kind kommt mit Plattfüßen auf die Welt. Die Fußgewölbe entwickeln sich bis zum 6. Lebensjahr. Auch O- und X-Beine sind regelrecht und verlieren sich im Laufe der Zeit.
Kinder sollten nicht zu früh in Schuhe gezwungen werden, nicht zu früh laufen und aufrecht stehen müssen, wenn sie es nicht selbst können. Dies belastet die Füße frühzeitig und kann muskulär noch nicht kompensiert werden. Lassen Sie sie möglichst barfuß laufen, damit die Fußmuskulatur ausreichend Reize zur Adaptation an die verschiedenen Untergründe erfährt. Auch Murmeln mit den Zehen heben, sortieren und beim Baden Strohhalme und Spielsachen mit den Zehen greifen lassen sowie ein bequemes Schuhwerk sind fördernd.

Durch starke Überhöhung des medialen Gewölbes wie durch Krankheit oder Schrumpfung der Sohlenbänder und der kurzen Fußmuskeln entsteht ein

Pes excavatus (Hohlfuß)
Der Gang ist unelastisch und verkrampft. Schmerzen am Rist und am Vorfuß treten durch die völlige Überlastung der Quergewölbe auf. Vor- und Rückfuß sind stark gegeneinander abgeknickt. Man kann hierbei auch von einem Hohl-/Spreizfuß sprechen. Das häufige Tragen von hohen Absätzen unterstützt seine Entwicklung.

Pes transversoplanus (Platt-/Spreizfuß)
ist eine Fußdeformierung mit Verbreiterung des Vorfußes und einer Abflachung des Quer- und Längsgewölbes.

Senkfuß
ist ein leichter Grad des Pes planum. Hier senkt sich das mediale Gewölbe und löst Schmerzen am Fußrücken, an der Fußsohle und am inneren Knöchel aus.

Klumpfuß
Der gesamte Fuß weist eine Spitzfußstellung einschließlich einer Supinationsstellung des Vorfußes und eine Inversion/Adduktion des Fußrückens auf.

Er kann angeboren sein
• durch einen Schaden des Amnions (Fruchtblase)
• Fruchtwassermangel
• Raumbeengung und erworben sein
• neurologisch; Spina bifida oculta (Spaltwirbelbildung, insbesondere in LWS und SWS
• paralytisch-periphere Nervenlähmung, spastisch, posttraumatisch

Fersensporn
Es ist eine dornartige Knochenwucherung des Fersenbeins, welche oft zu schmerzhaften Entzündungen und Bewegungs-/Aktivitätseinschränkungen führt. Verursacht durch überbeanspruchte Sehnen und aponeurose Fasern (M. plantaris) oder durch Entzündungen (Gonorrhoe, Rheuma). Vorkommen kann er doppelseitig
a) beim Tuber calcaneus auf der Fußsohle
b) im Achillessehnenansatzbereich
und bei Volley/Handball/Aerobic auftreten. Traumata der Plantaraponeurose durch Sprung, Schlittschuhfahren, starke Schubbelastungen genauso wie falsches Schuhwerk auf hartem Boden, Adipositas und extreme Fußformen, wie Hohl- und Plattfuß, können ursächlich sein. Auch eine überwiegend stehende Tätigkeit/Arbeit kann sie begünstigen.

Fußpilz
ist eine ansteckende Infektion. Stark juckend, mit Rötung und Hautschuppung, insbesondere zwischen den Zehen und an den Fußrändern, kennzeichnen diese Hauterkrankung.
Häufig tritt sie als "trockene Haut" auf, und durch eine Reizgewöhnung wird der Juckreiz nicht mehr wahrgenommen und eine weitere Infektion der Nägel bleibt nicht aus. Selten kommt es zu einer Blasenbildung unterschiedlicher Größe, welche in Schwimmbädern, Duschen und feuchten Umkleideräumen übertragen wird.
Da sich durch die hohe Infektiösität der Pilz leicht auf andere Hautpartien und Fingernägel übertragen läßt (Achsel, Leiste, Brust, weitere feuchte Hautfalten und -areal), ist auch die Ansteckungsgefahr für und durch Dritte erheblich. Kleine Verletzungen des Fußes und der Zehen in aufgeweichter Haut machen die Verbreitung auf die Gewebe und auch tiefere Hautschichten möglich. Der Pilz liebt das feuchte Milieu und entwickelt sich zunehmend in diesen Verhältnissen, z.B. bei schwitzenden, feuchten Füßen, in schlecht belüfteten Schuhen, auf Teppichböden innerhalb des Haushalts und bei Personen mit bestehenden Fußfehlstellungen, aus denen Hornhautschwielen, Blasen, Druckstellen resultieren. Durchblutungsstörungen und Diabetes erhöhen das Risiko zusätzlich.

Warzen
Die sechs im wesentlichen bekannten Warzenarten werden durch verschiedene Virusgruppen verursacht und übertragen. Ca. 15 % der Bevölkerung sind Warzenträger.
Die ordinäre Warze ist rund und regelrecht begrenzt, weist eine höckerige Oberfläche auf und ist leicht erhaben. Meist kommt sie am Nagelwall oder der Fuß-Handsohle und am Finger vor.
Die Plantarwarze wächst durch die Belastung an der Fußsohle nicht nach außen, sondern nach innen. Besonders an belasteten Stellen des Fußes ist sie sehr schmerzhaft und vom Hühnerauge abzugrenzen.
Flache Warzen, insbesondere bei Jugendlichen, sind vieleckig, flach und rund und von haut- bis bräunlichfarbig.
Bei älteren Menschen sieht man häufig Stielwarzen. Beide Formen sind harmlos. Ebenso die Dellwarzen, die wächsern-durchsichtig, kugelig wirkenden Wärzchen bei Kindern mit sensibler Haut, welche oft spontan abheilen.
Feucht- und Feigwarzen, die im Genitalbereich und After häufig vorkommen, sind leicht übertragbar. Da sie entarten und bösartig werden können, müssen sie schnell durch einen Arzt behandelt werden. Sie sehen blumenkohlartig oder hahnenkammartig aus, und das nähere soziale Umfeld ist entsprechend aufzuklären oder das eigene Verhalten anzupassen.
Übertragungswege sind denen des Fußpilzes ähnlich, z.B. durch direkten Hautkontakt oder über Hautschuppen, die auf Fußböden, in Schwimmbädern, Teppichen, Badezimmerböden, Sportstätten liegen. Kleinste Verletzungen genügen mitunter, um ein Eindringen dieser Viren zu ermöglichen. Die hornproduzierenden Zellen werden zu einer Proliferation angeregt, welche sich dann kugelig auswölben oder dem Druck folgend sich nach innen stülpen und als schmerzhafter Dorn teils mit erkennbarem Dornkanal auftreten.
Nicht jeder Kontakt mit Erregern führt automatisch zu einer Infektion. Bei ausgeglichener Immunitätslage erfährt man eine stille Infektion.

Ähnlich wie beim Fußpilz ist dies abhängig von 
• der Hautbeschaffenheit
• vegetativer betonter Lage
• Immunität/Abwehrkräften
• Fußhygiene, trocken, belüftet
• Schweißfußneigung
• Durchblutungsstörungen
• Hautschrunden und -verletzungen
• Schuhpflege

Dies alles sind schwerwiegende Fußschäden, die von einem Arzt behandelt werden müssen.
Sehen wir unsere Aufgabe darin, wenn wir nicht praktisch in der med. Fußpflege tätig sind, unsere Mitmenschen, mit denen wir täglich in der Praxis zusammenkommen, auf diese Veränderungen und deren Folgen auf den Organismus aufmerksam zu machen und sie ggf. an erfahrene Therapeuten und Ärzte zu verweisen.
So lassen sich progressiv verhaltende Veränderungen der Fußwurzelknochen, Arthrosen und zunehmende Schmerzen reduzieren und eliminieren. Das Therapieziel ist die Schmerzfreiheit. Hieran orientieren sich die Therapiemaßnahmen. Durch Fehlbelastungen der Füße kommt es zu Fehlhaltungen und zu einer veränderten Belastungsachse des Körpers, dies wirkt sich im Fazit negativ auf innere Organe, Knie- und Hüftgelenke aus mit weiter aufsteigender Progredienz. Auch Rückenschmerzen und Bandscheibenschäden können auf die Fußveränderungen zurückgeführt werden. Durch die pathologische Änderung der Fußstatik, auch durch Tragen von falschem Schuhwerk, tritt eine aszendierende verzerrte Haltung des Fußes, der Fibula und der Tibia, des Beckens und seiner gelenkigen Anteile bis hinauf zu der LWS, BWS, HWS, Kranio-/Okzipitalgelenke und des Kiefers ein. Eine statische Veränderung dieser Anteile bleibt als Spätfolge nicht aus. Die damit korrespondierende Muskulatur verkrampft sich und stellt sich auf die veränderten Bewegungsabläufe ein.
• Hyperlordose, Kyphosierung und skoliotische Wirbelsäulenadaptationen, Blockierungen der Iliosakralgelenke entstehen.
• Ischialgie, welche oft bei natürlicher Fußstellung abklingt, kann daraus resultieren.
• Das zusätzliche Gewicht des Ungeborenen in einer Schwangerschaft (prä- und postnatal) und 
• Adipositas stellt eine außergewöhnliche Belastung für die Füße dar.
• Varikosis kann die Folge falscher Belastung werden.
• Genum varus/valgus können durch eine Fußschwäche und Knickfuß initiiert werden.
• Durchblutungsstörungen, die sich fast immer in den unteren Extremitäten zeigen.

Diese Nagelveränderungen, Fußdeformitäten, Begleiterkrankungen und temporäre Erscheinungen und organische Auswirkungen können durch rechtzeitige Beratung, Prophylaxe und durch ein größeres Bewußtsein unseren Füßen gegenüber vermieden werden.
Fußoperationen sollten das letzte Mittel der Korrekturmöglichkeiten darstellen, denn gesunde Füße spürt man nicht!
Auch der betroffene Fuß eines neurologischen Patienten weist mitunter eine große Zahl verschiedener prä- und postpathologischer Symptome auf, welche in den Behandlungen berücksichtigt werden müssen oder durch eine begleitende med. Fußpflege assistiv behandelt werden können.


Genetische/erworbene Deformitäten
• Kontrakturen als Folge einer Verklebung der Aponeurosis plantaris
• Digitus quintus varus superductus
• Klumpfuß
• Kletterfuß
• Sichelfuß
und vorgenannte.

Typische hemiplegische Fußpathologien und deren Auswirkungen sind:
1. Tonusadaptationen an Fuß und Unterschenkel
• Normotonus, Hypotonus, 
Hypertonus, Parese
2. Spastik
• Extensionsmuster
• Flexionsmuster
3. Aponeurosis plantaris
• Verklebungen
• Insuffizienzen
4. Pathologische Reflexe wie Pyramidenbahnzeichen:
Babinskireflex durch Reizen der Fußsohle besonders am lateralen Rand mit Hilfe des Reflexhammergriffes, wird eine tonische Extension der I. Zehe und eine plantargerichtete Flexion der II. -V. Zehe mit Spreizphänomen provoziert.
Oppenheimer Zeichen kann durch zügiges, kräftiges Herabstreichen an der Tibialfläche mit dem Finger ausgelöst werden. Ergebnis: s. Babinski.
Gordon-Reflex wird durch Pressen der Wadenmuskulatur verursacht. Ergebnis: s. Babinski.
Sehr oft treten alle diese pathologischen Reflexe gemeinsam auf. Ein singuläres Spreizphänomen allein gilt in der Regel nicht als pathologisch.
Hingegen sind pathologisch ab drei Monate nach der Geburt ein
• Gehautomatismus
• Fersenreflex
• Greifreflex des Fußes im 2. -3. Trimenon
• gekreuzter Reflex
• suprabubischer Reflex
• Extensionsreflex der Arme und Beine (Gehreflex durch Extensorentonus nicht auslösbar)
5. Sensorikveränderungen
• Oberflächensensibilität
• Tiefensensibilität
• veränderte Propriozepsis
6. Pathologische Stell- und Gleichgewichtsreaktionen
7. gesteigerte Muskeleigenreflexe (Spastik)
Kloni; rhythmische reflexartige Zuckungen der Patella und des Fußes.

Diabetischer Fuß
Ein Diabetiker muß seine Füße täglich auf Veränderungen hin betrachten.
Die Zehzwischenräume und die Fußsohle sind ggf. über einen Spiegel mit einzubeziehen. Jegliche Art von Verletzung sollte dem Arzt gezeigt oder von Fachpersonal vorläufig begutachtet werden. Wenigstens einmal jährlich sollte eine Fußinspektion durch einen Arzt erfolgen, um arterielle Verschlußkrankheiten auszuschließen, Kalt-/Warmempfindung und das Vibrationsempfinden der Füße zu testen. Verletzungen, die durch eine med. Fußpflege entstanden sind, müssen aufgrund einer zu befürchtenden Infektion und einer ggf. daraus entstehenden Superkompensation nachhaltig behandelt und beobachtet werden. Die schwerwiegendste Komplikation des Diabetes ist die Arteriosklerose. Sie wird bei 75 % der Patienten als Todesursache angegeben und tritt klinisch in einer Häufung von diabetischer Angiopathie (AVK) der unteren Extremitäten und Herzinfarkten auf. Die AVK betrifft häufig die terminalen Strombahnen und führt oft zu Nekrosen und Gangrän der Zehen.
Verletzungen in diesen Bereichen fördern aufgrund der gestörten Autoreparation dieses Entstehen. Begleiterkrankungen sind meist die Folge der reduzierten Resistenz gegenüber Infektionen; so kommen staphylokokkenbedingte Infektionen, Furunkulose, Karbunkel, Phlegmonen, Hepatitis, Pyleonephritis und Tuberkulose gehäuft vor.

Diabetische Nervenfunktionsstörungen 
• Neuropathie - wird über Teste der Sensibilität, Schmerzempfindung, Temperaturwahrnehmung und Reflexe festgestellt. 
• Diese Nervendestruktion kann ohne optimierte Stoffwechseleinstellung, Verletzungsprophylaxe und Medikation zu Fußamputationen führen. Etwa zwei Millionen Diabetiker sind von der diabetischen Nervenfunktionsstörung betroffen. 

Orthopädische Schuhversorgung 
Verbandschuhe sind meist waschbare, textile Fußbekleidungen, welche durch Klettverschlüsse individuell den Füßen und Verbänden angepaßt werden können. Mit offenem oder geschlossenem Zehen-/Fersenbereich sowohl in der Wohnung als auch für längeren Gebrauch im Alltag verwendbar. 
Orthopädische Interimschuhe sind textile maßgefertigte Übergangsschuhe bei zu erwartender Veränderung des Krankheitsgeschehens. 
Orthopädische Straßenschuhe als Halbschuh oder Stiefel sowohl als Konfektionsware als auch als Maßanfertigung. 
Fußentlastungsschuhe umschließen Ferse und Fußwurzeln fest, lassen den Vor- oder Rückfuß in der Schrittfolge nicht in Bodenkontakt kommen. Somit ist der Fuß partiell gegen ungewolltes Anstoßen geschützt. 

Schuhe - Footwear
85 % aller Fußprobleme haben eine Ursache: unbequeme Schuhe. 
Jährlich wechselnde Modetrends haben eine Gemeinsamkeit: viele Schuhe sind zu eng, zu klein, zu hart, die Sohlen, Absätze zu hoch. Erhabenes komprimiert die Zehen, den Vorfuß, die Fersen und die Fußsohle. Auch bequemere Sneaker sind oft luftundurchlässig und fördern Schweißfüße und Mykosen. 
Oft sind besonders Kinderschuhe zu klein und geben keinen Spielraum für die Kinderzehen. Aber die weichen, elastischen Knochen geben den zwängenden Schuhformen leichter nach als die der Erwachsenen. Spätere Orthesen und o.g. Erkrankungen und erworbene Behinderungen sind keine angenehmen Wegbegleiter in das Erwachsenenleben. 
Auch Sportschuhe sind keine geeigneten Dauerläufer für Arbeitsalltag und Freizeit. Die durch die Elastizität der Sohlen gewonnene Kraftreserve irritiert die Propriozepsis und meldet ein relatives Untergewicht an den Kortex, welcher die Bewegungsabläufe steuert und eine muskuläre Vorspannung initiiert, welche das auftreffende, zu tragende Körpergewicht auffangen und steuern soll. Die so erlangten Impulse können eine relative Kraftzunahme bedeuten, die in Schnelligkeit und Strecke Gewinn bringen können. Doch für eine Dauerbelastung im Alltag, d.h. Dauerunterforderung des neuronalen Feedbacks auf Kapsel-/Bandstrukturen und muskuläre Stabilität, führt dies zu einer Überlastung der passiven Gelenkstrukturen des gesamten Körpers und somit zu einem höheren frühzeitigen Verschleiß der Gelenkanteile und stellt eine Erklärung für die zunehmende Verletzungshäufigkeit des Kapsel-/ Bandapparates dar.

Fußgymnastik
Geeignete Übungen, wie das Greifen eines Tuches, eines Seils mit den Zehen können gut in die Therapie und/oder in ein Heimprogramm integriert werden. Bewegungen aus den Sprunggelenken und Streckübungen/Stretching des M. tibialis anterior fördern die Hauptbewegungsrichtungen und die Richtung der Kraftentfaltung entsprechend der Abstoßbewegung der Füße vom Boden. Bewegungen, wie die Dorsalextension und die Spreizbewegungen der Zehen, werden in der Regel durch die Fußkleidung behindert. Oft fördern Sandalen und Schuhe ohne Fersenkappe oder Riemchen die Krallenzehbildung, denn die Dauerbeanspruchung der Fußsohlenmuskulatur in der Flexionshaltung der Zehen verhindert das Heruntergleiten des Schuhes vom Fuß.
Ziel der Fußgymnastik sollte es sein, eine adäquate Ausgleichsbewegung der hypotrophierten Muskulatur und eine Detonisierung hypertoner Muskeln zu forcieren. Neben einem gezielten Training, z.B. der Zehen-/Fußflexoren und des M. soleus, sollten auch die Zehenabduktoren, insbesondere der M. abductor hallucis longus, trainiert werden. Anfangs ist es durchaus möglich, daß noch keine sichtbare Bewegung der Großzehe ininitiiert werden kann, und der Patient muß sich auf seine palpatorische Kontrolle verlassen.

Solange der Fuß seine natürliche Bewegungsfähigkeit behält, beugt er Haltungsschäden und Gehbehinderungen vor.
Ausgeprägte Greifreflexe der Neugeborenen zeigen uns, daß eine frühe Beübung der Füße möglich und sinnvoll ist. Allein aus Angst, das Kind könnte sich verkühlen, bekommt es schon dicke Socken an, und ein direktes Haut- und Zehenspiel wird unterbunden und dadurch wird die erste Trainingsmöglichkeit für einen gesunden, physiologischen Muskelaufbau der Füße beeinträchtigt.

1. Das Gehen
Bewußtes Barfußgehen auf verschiedenen Untergründen, Abrollen des Fußes von der Ferse bis zu den Zehen, über Außenseiten des Fußes, Aufsatzpunkt und Abdruckphase des Fußes erspüren, stärkt die Fußwölbungen, mit dem Vorfuß auf den Rand einer Treppenstufe stehen und zwischen Zehenstand und tiefem Gehen wechseln.
Gehen auf den Zehenspitzen und auf den Fersen fördert auch das Gleichgewicht und reaktive Stellreaktionen.
Balancieren auf einem Seil, Barren oder Balken fördert und erhält die Spreizfähigkeit der Zehen und die Anpassungsfähigkeit des Mittelfußes. Die gesamte Körperhaltung extendiert bei dieser Übung.
Klettern an der Sprossenwand, in Kletternetzen, schräges Auf- und Abgehen auf einer schiefen Ebene in der Praxis wie im Freien.
Sprungübungen beidbeinig sowie einbeinig aus verschiedenen Ausgangsstellungen.

2. Zehendynamik
Beugen und Strecken der Zehen, fächriges Aufspreizen der Zehen im freien Raum oder gegen leichten Widerstand eines Tuches/ Therabandes ermöglichen multidirektionale Bewegungen.
Für das Fußgewölbe und die Abduktoren kräftiger Druck der Füße/Zehen in den Boden, mehrmals für einige Sekunden mit Pausen zwischen den Sätzen.

3. Für Sportler und besser Trainierte
muß ein umfangreiches Angebot an die Leistungsfähigkeiten gestellt werden. Jede Art von therapeutischem Training kann ggf. barfuß durchgeführt werden. Es kann kräftiger, schneller, höher konditioniert an Ausdauer und Geschicklichkeit ausgerichtet sein.
Treppensteigen nur mit dem Vorfuß oder auf den Zehen.

Übung 1
• Versuchen Sie, eine Zeitung mit den Zehen zu zerreißen.
• Durch wiederholtes Anziehen der Zehen ziehen Sie die Zeitung unter Ihre Füße.
• Probieren Sie dieselbe Übung mit einem Geschirrhandtuch, Handtuch.
• Erschweren Sie diese Übung, indem Sie Bücher auf das Tuch legen.
• Heben Sie das Tuch mit den Zehen hoch und lassen es fallen.
• Versuchen Sie, es vor seinem Bodenkontakt wieder aufzufangen.

Übung 2
• Rollen Sie Ihre Füße in der gesamten Länge über einen Stab (symmetrisch - asymmetrisch).
• Bauen Sie mit dem Fuß eine Brücke über dem Stab. Nur die Zehen und die Fersen sollten Bodenkontakt haben.
• Gehen Sie in dieser Stellung mit den Zehen langsam über den Stab vor und zurück, ohne den Stab zu berühren.
• Heben Sie den Stab oder diverse Kleinteile mit den Zehen auf und sortieren Sie sie z.B. in eine Kiste.

Übung 3
• Nehmen Sie einen Ball/Igelball zwischen die Füße und rollen ihn an der Fußinnenseite/Fußsohle/Fußrücken/Fußaußenseite vor und zurück, ohne ihn zu verlieren.
• Drücken Sie den Ball immer wieder in den verschiedenen Positionen kräftig zusammen.
• Legen Sie sich einen kleinen Ball unter die Füße und schieben ihn durch Walkbewegungen der Füße langsam nach hinten und zurück. Bitte rollen Sie nicht über den Ball.
• Legen Sie den Ball zwischen die Fußsohlen und drücken ihn zusammen, ohne daß er herausfällt.

Übung 4
• Spannen Sie Kleinteile, wie Holzdübel, Murmeln, Radiergummi etc. zwischen die Zehen und versuchen Sie, diese wieder durch Zehenbewegungen zu verlieren oder mit dem anderen Fuß herauszuziehen.
• Knete läßt sich mit Hilfe der Zehen und Füße in die verschiedensten Formen bringen.

Auch mit Gleichgewichtsübungen und Standübungen an verschiedenen krankengymnastischen Geräten lassen sich 
1. Muskeln kräftigen, um das Skelett zu stabilisieren
2. die Beweglichkeit fördern
3. die Fußgewölbe stabilisieren
4. das Körpergefühl und die Körperwahrnehmung schulen
5. Koordination und Geschicklichkeit fördern

Am Ende einer Behandlung oder Übungsfolge zu Hause läßt sich durch Fußbäder mit relaxierenden Zusätzen, Fußwechselbäder, Kneipp-Güsse, leichte Massagen, mit Fußrollern, Igelball oder in der Praxis mit Paraffintauchbädern oder Wärmepackungen die angestrengte Muskulatur entspannen.
Wenn nur einem Teil der betroffenen Patienten in unserer Praxis geholfen werden kann und operative Versorgungen vermieden werden können, wäre dies ein entscheidender Behandlungserfolg und eine Stärkung des Vertrauensverhältnisses zwischen Patient und Therapeut. 

Behandlung
• Aufklärung
• Arztbesuch und Diagnosestellung
• Medizinische Fußpflege
• Hautschutz
• Fußhygiene
• Wechselbäder/Bäder
• Nagelpflege
• Hautverletzungen vermeiden
• Baumwollstrümpfe
• weitere, luftigere Schuhe
• regelmäßige Inspektionen
• Schuhe lüften
• orthopädische Einlegesohlen und Hilfsmittel zur Entlastung
• Fuß- und Beingymnastik
• Gymnastikmaterial
• Entspannung
• Entwicklung eines intensiveren Körperbewußtseins
• Massage, Reflexzonenmassage
• Einreibungen
• Laufanalyse
• Medikamente
• Wasserapplikationen nach Kneipp und Prießnitz
• Gewichtsreduktion, Fasten
• Diät
• Vermeiden von Risikofaktoren
• Bewegung und weitere physikalische Therapieformen
• orthopädische Hilfsmittel und Schuhe
• Operationen

Literaturhinweise und Quellennachweis
Sobotta/Becher: Atlas der Anatomie des Menschen. Urban & Schwarzenberg und Pschyrembel, de Gruyter

Kontaktadressen
Dr. Fiedlers Check-up: Krankheiten frühzeitig erkennen. www.wdr.de/tv/aks/dr fiedler/Themen
Köhler/Reber: Kinder machen Fußgymnastik. Enke-Verlag, Stuttgart
Deutsche Sportärzte-Bund
Broschüre: Die Leiden der Profis, Fuß- und Nagelpilz professionell behandeln.

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