VPT-Meldung
vom

Lipödem - Liposuktion

von Clarissa Ciaston, PT

Zum ersten Mal erfuhr ich etwas über das Lipödem im Fortbildungskurs ML-KPE der Földi-Schule in München. Da war mir klar, daß meine Mutter an einem solchen litt. Sie hatte damals Stadium I mit allen unangenehmen Begleiterscheinungen wie Spannungsgefühl, Druckschmerz bereits bei leichter Berührung und anhaltende Blutergüsse.

Bei mir brach die Erkrankung 1994 nach meiner 1. Schwangerschaft aus. Mir war dies damals noch nicht bewußt. Wegen frühzeitiger Wehen erhielt ich über 6 Wochen Infusionen, die zu einer starken Gewichtszunahme führten. Nach der Geburt reduzierte ich mein Gewicht. Was blieb, war schwammiges, leicht ödematöses Gewebe am Oberschenkel, von mir als starke Cellulite eingestuft. Ende 95, nach meiner zweiten Schwangerschaft, ich nahm ca. 13 kg zu, verstärkte sich der Befund. Zum damaligen Zeitpunkt war die Fettschicht bereits nach unten gerutscht und bildete eine häßliche Fettfalte über und um das Knie. 1999 wurde in der Abteilung für Lymph-Angiologie einer Klinik nördlich von München nach ausführlicher Diagnostik die Diagnose Lipödem gestellt. Der Arzt empfahl spezielle Stützstrümpfe zu tragen, regelmäßig Lymphdrainage verabreichen zu lassen und mich letztendlich mit dem Befund abzufinden.

Das tat ich zunächst auch. Die Progredienz war jedoch nicht aufzuhalten. Zu Druckschmerz und Bluterguß-Neigung kamen - trotz Kompressionsstrümpfen - bei einem langen Arbeitstag in der Praxis regelrechte Schmerzen in den ganzen Beinen dazu, es kribbelte und manchmal hatte ich das Gefühl, daß das Gewebe platzte.

Zu den körperlichen Beschwerden kam die psychische Belastung, ich war sehr unglücklich. Ich ging selten schwimmen, am Strand lief ich immer mit einem Tuch um die Hüften herum und war immer bedacht, daß mich keiner sieht. Damals ohne Partner konnte ich mir nicht vorstellen, mich je einem Mann zu präsentieren. Es war so, als ob ab der Taille mein Körper nicht mehr zu mir gehörte...

Trotz regelmäßiger Behandlungen verschlimmerte sich das Beschwerdebild, und im Jahre 2003 fing ich an, mich für Liposuktion zu interessieren. Es ist einfacher, eine Entscheidung für eine OP zu treffen, die medizinisch zwingend nötig ist, aber die Progredienz akzeptieren konnte und wollte ich auch nicht.
Die in den Medien gezeigten Liposuktionen empfand ich jedoch als einen Alptraum. Die in Vollnarkose versetzten Patienten werden beim Saugen so stark hin- und hergeschüttelt, daß ich den Eindruck hatte, daß das Gewebe regelrecht herausgerissen wurde.

Insgesamt 5 der bekanntesten plast. Chirurgen in und um München habe ich aufgesucht und war schwer enttäuscht. Keiner wußte wirklich über das Lipödem Bescheid. Ich hörte Dinge wie: erst mal abnehmen und Sport machen. Fragen meinerseits, die die Situation nach der OP betrafen, wie das Aufhalten der Progredienz und Verhaltensweisen, wurden sehr vage beantwortet. Bis auf einen, wollten alle in Vollnarkose operieren, und dieser eine wollte beide Beine komplett bei einem Eingriff absaugen - "so 6 bis 7 Liter bei einer Sitzung geht schon. . ."

Frustriert wollte ich aufgeben, da gab mir meine behandelnde Phlebologin in München die Adresse einer Klinik in Lübeck.

Beim ersten dortigen Besuch fühlte ich mit sofort in Spezialistenhand gut aufgehoben. Die Liposuktion sollte in 3 Sitzungen stattfinden: Oberschenkel-Außenseite, Hüfte, dann medial und zum Schluß die Vorderseite, alles in Lokalanästhesie mit Tumoreszenztechnik.

Nach ausführlicher Anamnese wurde ich darauf hingewiesen, daß trotz Operation weiterhin bei der Arbeit Kompressionsstrümpfe vonnöten sein würden, außerdem sollte prinzipiell eine Gewichtszunahme vermieden werden. Insgesamt würde sich der Gesamtzustand deutlich verbessern.

Da das Lipödem fast Stadium II erreicht hatte, entschied ich mich umgehend für den Eingriff. Innerhalb eines Jahres, die letzte im Oktober 2005, wurden die 3 Eingriffe gemacht. Bereits nach der ersten OP (Hüfte, OS außen) verbesserte sich das Beschwerdebild, nach der zweiten (OS innen und Knie innen) war ich beschwerdefrei und fühlte mich wie neugeboren. Ich halte mich nach wie vor an die Vorgaben wie das Tragen von Kompressionsstrümpfen und bin glücklich, mich zu den Eingriffen entschieden zu haben.
Mittlerweile weiß ich auch, warum gerne in Vollnarkose operiert wird: es geht viel schneller. Eine Liposuktion unter Tumoreszenz-Lokalanästhesie dauert mit Infiltration und Absaugung ca. 4 Stunden, manchmal sogar länger. Das Gewebe wird zunächst verflüssigt und dann mit kleinen Kanülen abgesaugt. Ich hatte, außer im medialen Kniebereich, kaum Hämatome. Man kann diese Methode, bei der ich in ständigem Gesprächskontakt mit Arzt und Schwestern war, wirklich als sanfte Methode bezeichnen. Ich erhielt auf Wunsch eine ganz leichte Sedierung mit Diazepam (Valium) und empfand den Eingriff als völlig problemlos. Nach einer Übernachtung in der Klinik konnte ich den Heimflug antreten.
Für Fragen von Kollegen/innen und Patienten/innen stehe ich gerne zur Verfügung.

Seiteninhalt: