VPT-Meldung
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Triggerpunkte -

von Reinhard Bayerlein

Ursachen und aktuelle Überlegungen zu deren Hintergründen

1. Westliche Betrachtungsweise

Das Wort Trigger bedeutet "auslösen". Unter einem Triggerpunkt versteht man pathologisch veränderte Bereiche im Muskulatur-, Sehnen- und Periostbereich, welche Irritationen im umliegenden Gewebe, aber auch in entfernteren Körperregionen verursachen können.

Der Berliner Pathologe Froriep veröffentlichte 1847 ein Buch mit dem Titel "Ein Beitrag zur Pathologie und Therapie des Muskelrheumatismus", indem er Verhärtungen in verschiedenen Gewebeschichten darstellt, welche er als "Rheumatische Schwielen" charakterisiert (1).

Er beschreibt darin schmerzhafte Bereiche im myofaszialen Gebiet, welche er später als Muskelschwiele bezeichnet. Seine Feststellung führte zu weiteren Untersuchungen, und so wurde von dem deutschen Arzt Schade 1919 der Begriff der Myogelose geprägt. Max Lange, ebenfalls ein deutscher Arzt, entwickelte dann aufbauend auf den Arbeiten von Froriep und Schade die so genannte Gelotripsie. Hierbei handelt es sich um eine Massagetechnik, mittels der er versuchte, die Myogelosen zu "verstoffwechseln". In den folgenden Jahren gehörte die Therapie der Myogelosen (Trigger) zu der täglichen Arbeit im Rahmen der Klassischen Massage Therapie (KMT). Nicht wenige Massage-Ärzte konzentrierten ihre Arbeit auf die manipulative Behandlung dieser Punkte. 

Durch die Arbeiten von Head und Mackenzie entwickelte sich in der Folgezeit eine rege Forschungsarbeit auf dem Gebiet der segmentreflektorischen physikalischen Therapie, an deren Stelle Kohlrausch (2) stellvertretend für die vielen anderen Pioniere auf diesem Gebiet genannt werden soll. 

Aufgrund der Entwicklung im Bereich der Chirurgie und Pharmazie geriet die Massagetherapie als Mittel zur Beeinflussung segmentreflektorischer Vorgänge dann aber bis vor ein paar Jahren stark in den Hintergrund.

Erst durch die Arbeiten der Amerikaner Travell und Simons (3), ist die Behandlung der von ihnen als Triggerpoints bezeichneten Veränderungen wieder in das Bewußtsein der manuellen Medizin gerückt. In Deutschland beginnt sich die gezielte Therapie der Triggerpunkte nun wieder langsam im Bereich der Massage zu etablieren. Es ist leider bezeichnend, daß wir eine Methode, die ihre Wurzeln in der Massagetherapie in Deutschland hat, über Umwege mit neuen Begriffen zurückerhalten haben. Noch nachdenklicher stimmt die Tatsache, daß die gezielte Therapie muskulärer Strukturen mittels Massage, erst dadurch wieder ihre Akzeptanz im medizinischen Bereich zurück erhielt.

2. Vermutete Pathomechanismen

Die physiologischen Vorgänge, welche bei der Entstehung von Triggerpunkten beteiligt sind, wurden bis heute noch nicht vollständig erforscht. Es gibt aber verschiedene Hypothesen, die eine Erklärung für die neuromuskulären Mechanismen sein können.

Stehen Verletzungen der Muskelzelle im Vordergrund (z.B. nach Zerrungen oder massiven Überbelastungen), so könnte Kalzium, welches durch das beschädigte sarkoplasmatische Retikulum austritt, zusammen mit dem vorhandenen ATP zu einer Dauerkontraktion in diesem Gebiet führen. Die reflektorische Folge dieses Vorganges könnte eine lokale Vasokonstriktion sein.

Unklar ist allerdings, warum sich größere Muskelbereiche verkrampfen, also nicht nur der direkt betroffene mikroskopische Bereich und warum sich dieser Zustand nicht wenigstens nach ein paar Tagen wieder normalisiert. Dann nämlich müßte das Kalzium wieder resorbiert sein. Eventuell könnte eine Ursache dafür sein, daß verbrauchtes ATP aufgrund der lokal schlechten Stoffwechselvorgänge nicht mehr ergänzt werden kann. Ohne ATP lösen sich die Myosinköpfe nicht mehr von den Aktinfilamenten (siehe Totenstarre). Sicher spielen aber auch neurophysiologische Vorgänge eine Rolle. Geht man davon aus, daß in einer solchen Zone auch biochemische Substanzen freigesetzt werden, erscheint eine zusätzliche Irritierung dieser Bereiche als sehr wahrscheinlich.

Da es neben direkten Traumen als Auslöser noch weitere Ursachen geben kann, sind vegetativ gesteuerte Vorgänge sehr wahrscheinlich. Es ist anzunehmen, daß immer mehrere Faktoren wie z. B. Überbelastung, Ermüdung, Streß aber auch akute und chronische Störungen innerer Organe zusammenspielen und über segmentale und weitere nervale Verbindungen zu lokalen Ischämien in verschiedenen Bereichen führen. Diese werden aufgrund andauernder Störimpulse über längere Zeit aufrechterhalten, bis sich lokale Störungen der Stoffwechseltätigkeiten einstellen, welche dann das palpatorische Bild der "Härte" ergeben. 

A. Der dicke Pfeil weist auf die komplexen Störungen hin, welche vom Triggerpunkt ausgehen.
B. Die Rückkopplungsschleife weist auf die Tatsache hin, daß sich viele Triggerpunkte selbst aufrechterhalten können!
C. Übertragungsschmerz-Zone an neurologisch entfernte Stellen
D. Auch über diese Zone können therapeutische Reize gesetzt werden.
E. Weitere Ursachen, welche Triggerpunkte entstehen lassen können.
F. Diese Linie weist darauf hin, daß Triggerpunkte auch viszerale Verbindungen haben und unterhalten können.

3. Ursachen

Als Ursache für die Entstehung von Triggerpunkten kommen nach heutiger Meinung folgende Auslöser in Frage (nach Travell).

- Direkt auslösende Faktoren
1. Akute Überbelastung,
2. Überanstrengung und Ermüdung,
3. Unterkühlung,
4. Direkte Traumen (Zerrung, Prellung usw.).

- Indirekt auslösende Faktoren
1. Negativer emotionaler Distreß,
2. Störungen im biomechanischem System (arthritische Gelenke, Gelenkblockaden usw.),
3. Erkrankung innerer Organe,
4. Andere Triggerpunkte.

4. Befundung myofaszialer Triggerpunkte

Zur Befundung myofaszialer Triggerpunkte stehen folgende Kriterien zur Diskussion.
1. Eine Anamnese mit plötzlichem Ausbruch des Schmerzes und oder einer Bewegungseinschränkung nach Überbelastung. Eine Anamnese die einen allmählichen Beginn beschreibt der aufgrund chronischer Belastungen zu erklären ist.
2. Charakteristische Schmerzmuster welche für einzelne Triggerpoints typisch sind
3. Schwäche und eingeschränkte Dehnfähigkeit eines Muskels
4. Palpierbare Härten in Muskel, Sehne, Periost mit lokaler Schmerzempfindlichkeit auf Druck
5. Reproduktion des Schmerzes
6. Verbesserung der Schmerzempfindlichkeit nach der Therapie

Validität der klinischen Diagnosekriterien (die Angaben in Kammern beziehen sich auf die Erfahrung des Autors)

1. Ausgeprägte Schmerzhaftigkeit auf Druck einer Härte (häufig)
2. Die Kontraktion des Hartspanns bei mechanischer Reizung
3. Referred Pain. Schmerz überträgt sich in andere Bereiche (häufig)
4. Reproduzierbarkeit des Schmerzes und der Ausstrahlung (Häufig)
5. Eingeschränkte Beweglichkeit (häufig)
6. Muskelschwäche ohne primäre Atrophie
7. Phänomene die aufgrund der Aktivierung des Punktes entstehen (häufig)

In der Praxis findet der routinierte Therapeut diese Punkte recht schnell und kann mögliche Satellitenpunkte im Rahmen des Modells der Muskelketten gut einordnen oder finden.

5. Technik der Triggerpunktbehandlung

Zur direkten Behandlung eines Triggerpunktes stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Hierzu gehören einige der folgenden Behandlungstechniken.

1. Einspritzen
2. Dehnen und Kühlen
3. Akupunktur (trockene Nadel)
4. Triggerpunktmassage

Es hat sich in der Praxis gezeigt, daß die gezielte Massage der Härte eine der wirkungsvollsten Methoden zur Therapie des Triggerpunktes ist! 
Neben der direkten Therapie des Punktes, sollte natürlich versucht werden, die kausalen Faktoren auszuschalten!
Die Vorgehensweise bei der Therapie von Triggerpunkten innerhalb der verschiedenen Gewebeschichten.

1. Ertasten des Triggerpunktes durch tangentiale Tastung auf dem Gewebe oder Kneifgriff mit Daumen und Zeigefinger längs der Muskelfaser
2. Druck auf den Triggerpunkt, wobei langsame Bewegungen parallel zur Muskelfaser durchgeführt werden. Als Variante können auch Friktionen oder vibrationsähnliche Bewegungen ausgeführt werden
3. Behandeln des Punktes, bis dieser weitgehend schmerzunempfindlich ist und eine Lösung des Gewebes eintritt (4)

Anschließend sollten einige aktive Bewegungen seitens des Patienten erfolgen, um neurophysiologische und mechanische Vorgänge wieder einzuschleifen.

MERKE: Ein Stretchingprogramm hat nach unserer Erfahrung in der Regel nur Aussicht auf Erfolg, wenn keine aktiven Triggerpunkte vorhanden sind und keine Gelenkblockaden bestehen. Sonst baut sich der Hypertonus in der Muskulatur innerhalb kürzester Zeit wieder auf.

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