VPT-Meldung
vom

VPT B-W & VPT Bayern | Süddeutsches Verbände Symposium 2018 auf Therapro Fachmesse

Wissenschaftliche Erkenntnisse und der Austausch mit hoch-karätigen Experten zum Thema Schmerztherapie bot das Süddeutsche Verbände Symposium 2018 auf der Therapro in Stuttgart. Die VPT-Landesgruppen Baden-Württemberg und Bayern sowie der Landesverband Baden-Württemberg von Physio-Deutschland hatten gemeinsam dazu eingeladen. Im Mittelpunkt aller Vorträge stand der Schmerzpatient.

Prof. Dr. med. Ulrich T. Egle vermittelte, „Wie das Gehirn aus Stress Schmerz macht“. Der Vorsitzende der Interdisziplinären Gesellschaft für Psychosomatische Schmerztherapie plädier-te für ein bio-psycho-soziales Schmerzverständnis, das psycho-soziale Einflussfaktoren berücksichtigt: „Chronischen Rücken-schmerz müssen wir anders behandeln als akuten, sonst chronifi-zieren wir die Patienten.“ Auf Basis neurobiologischer Forschung zeigte Egle auf, wie bei Anamnese und Therapie wichtig ist und wie Physiotherapeuten optimal mit Ärzten und Psychologen zu-sammenarbeiten, um die Selbstwirksamkeit des Patienten im Umgang mit Schmerzen Schritt für Schritt zu verbessern.


Die „Human based Medicine“ (HbM) erläuterte Andreas Koch, Physiotherapeut und Inhaber von PphysiQus Therapiekonze. Krankheit und Schmerz dürfe nicht allein als strukturelles und eindimensionales lokales Problem betrachtet werden. Ziel der HbM sei eine an den Ressourcen, Wünschen und Zielen des Pati-enten orientierte Therapie. Dies erfordere eine multidimensionale Diagnostik, die sich nicht nur an Symptomen und Pathogene-se orientiert, sondern in höherem Maße an den Ressourcen des Patienten. Dem Therapeuten kommt die entscheidende Rolle zu, auf Basis von evidenzbasiertem Wissen, Erfahrung und den Möglichkeiten des Patienten im Clinical-Reasoning-Prozess die indivi-duell beste Therapie zu wählen. Bei der Schmerzanamnese seien dafür psycho-soziale Aspekte mehr zu berücksichtigen, z.B. Be-fürchtungen des Patienten, die zu einem Vermeidungsverhalten führen, das den Schmerz verstärkt (Fear Avoidance).

Chronischen Schmerzen mit aktiven Therapieformen begeg-nen – das ist das Anliegen von Robert Pfund, Physiotherapeut und Mitinhaber der f+p GmbH, einer Physiotherapiepraxis für Manuelle Therapie und Training. Denn: „Bewegung ist ein Me-dikament ohne Nebenwirkungen.“ Auch er plädierte dafür, bei chronischen Schmerzen nicht nur nach mechanischen Ursachen zu suchen, denn es gebe immer mehrere Gründe. Daher genüge es auch nicht, z.B. bei Patienten mit chronischen Rückenschmer-zen nur Kontroll- und Kräftigungsübungen des Rumpfes zu ma-chen. Anstelle des lokalen Einsatzes des Medikamentes Bewegung solle dessen „Breitbandwirkung“ mehr genutzt werden. Pfund rät Patienten, das Training in der Physiopraxis zwischen den verschriebenen Therapieeinheiten auf freiwilliger Basis fort-zuführen und stellte dafür ein 7-Phasenprogramm vor, in dem das aktive Training bewusst langfristig angelegt ist, um ein stabi-les Therapieergebnis zu erzielen.

Ralf Schesser, MPhty (Manip Physio), erklärte in seinem Vor-trag zum Thema „Von der Reparatur zu den Ressourcen“, wie der Therapeut das Clinical Reasoning als Grundlage zur Beurtei-lung und für eine spezielle Schmerzphysiotherapie des Patienten einsetzt. Im Bereich chronischer Schmerztherapie stellte er ver-schiedene Behandlungsstrategien vor, u.a. die spezifische prob-lemorientierte Therapie (z.B. segmentale Stabilisation, spez. Ge-lenkmobilisation, spez. Kräftigung, Koordination, Dehnungen), Pacing, Graded Activity, Graded Exposure und Graded Motor Imaging. Zentrale Aussage: Ein fundiertes physiotherapeutisches Assessment – basierend auf einem guten Clinical Reasoning – sei die Basis erfolgreicher Therapie.

Dr. Kristin Kieselbach, Ärztliche Leiterin des Interdisziplinären Schmerzzentrums des Universitätsklinikums Freiburg, stellte vor, wie eine „Multiprofessionelle Schmerztherapie“ umgesetzt wer-den kann. Ein eng vernetztes interprofessionelles multimodales Management sei für die Diagnostik und Therapie chronischer Schmerzen grundlegend und effizient. Kieselbach empfahl den „Patientenratgeber Schmerz“ des Landesbeirats Schmerzversor-gung des Ministeriums für Soziales und Integration Baden-Würt-temberg, der auf der Website des Ministeriums downloadbar ist.

Die Diagnostik und Therapie von Bandscheibenschmerz er-läuterte Physiotherapeutin und Fachautorin Doris Brötz. Ihr verhaltensorientierter, aktiver, selbstbestimmter und evidenzbasierter Therapieansatz verfolgt das Ziel, den Schmerz nachhaltig zu behandeln. Physiotherapeuten machen dabei die Patienten kompetent, ihr Problem selbst zu lösen. Übungen zum Mitmachen sorgten für einen sportlichen Abschluss dieses lehrreichen Süddeutschen Verbände Symposiums

Seiteninhalt: