VPT-Meldung
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VPT LG Baden-Württemberg | Podiumsdiskussion Physiotherapie mit Staatssekretärin Bärbl Mielich

Gesundheitliche Versorgung durch interdisziplinäre, gleichberechtigt arbeitende Teams – so wünscht sich Bärbl Mielich, Staatsekretärin im Ministerium für Soziales und Integration, das Gesundheitssystem in Baden-Württemberg. Die Physiotherapeuten nehmen in ihrer Vision eine wichtige Rolle ein. Die Physiotherapie habe einen hohen Stellenwert in der Landespolitik, so Staatsekretärin Bärbl Mielich in ihrem Vortrag auf der gemeinsamen Veranstaltung von Physio-Deutschland und VPT im Stuttgarter Hospitalhof vor rund 140 Kolleginnen und Kollegen. Die Moderation der anschließenden Podiumsdiskussion übernahmen die beiden Landesvorsitzenden Michael N. Preibsch und Raymond Binder.

Ginge es nach Bärbl Mielich, so würde die Arztzentriertheit im Gesundheitssystem bald der Vergangenheit angehören. Gerade in Regionen mit Versorgungsengpässen will sie sich deswegen für interdisziplinäre Teams einsetzen, in denen die Heilmittelerbringer mit den Ärzten auf Augenhöhe die Patienten betreuen: „Die Physiotherapeuten haben dafür ganz klar die nötigen Kompetenzen!“, so Mielich. In Modellregionen wie Reutlingen, Biberach und Ravensburg werden die neuen Gesundheitsteams bereits erprobt. „Wir befinden uns an der Schnittstelle, an der es darum geht, sich so aufzustellen, dass wir für die Zukunft gut gerüstet sind. Eine Veränderung des Gesundheitssystems hin zu mehr Gleichberechtigung der Akteure ist in meinen Augen dabei unerlässlich“, erläuterte die Staatssekretärin.

Aus diesem Grund begrüßt Bärbl Mielich ausdrücklich die neuen Modellvorhaben zur Blankoverordnung, die den Physiotherapeuten mehr Verantwortung bezüglich der Therapie, der Frequenz und der Dauer einräumen. „Für mich ist hierbei wichtig, dass das Gesetz keinen Spielraum lässt – es handelt sich um eine Vorschrift des Gesetzgebers, die nun zwischen Kostenträgern und Berufsverbänden ausgehandelt werden muss – die Blankoverordnung wird also kommen.“ Mielich sicherte den Verbänden zu, dass sich auch die Politik dafür einsetzen wird, dass das Gespräch zu den Modellvorhaben aufgrund von Blockaden auf Seiten der Kassen und Ärztevertreter nicht ins Stocken gerät. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir vom Sozialministerium aus eine Art Moderatorenrolle einnehmen.“ Für Mielich ist die Blankoverordnung auch deshalb von Bedeutung, da sie in ihren Augen einen wichtigen Schritt in Richtung Direktzugang darstellt. „Der Direktzugang ist deswegen entscheidend, da dieser eine Zusammenarbeit mit flachen Hierarchien in den von mir vorgestellten interdisziplinären Teams ermöglicht“, so die Staatsekretärin.

Auch die Schulgeldfreiheit und finanzielle Förderung der baden-württembergischen Physiotherapieschulen sparte Bärbl Mielich nicht aus. „Wir wissen, dass hier Handlungsbedarf besteht und wir sind in den Verhandlungen – auch mit dem Finanz- und dem Kultusministerium.“ Sie verspricht, verantwortungsbewusst mit der Problematik umzugehen und hofft, dass im Sommer eine Entscheidung fällt. Mielich sprach sich eindeutig für eine weitere Akademisierung des Berufes aus. „Die Akademisierung löst unter Umständen auch sukzessive das Problem des Schulgelds. In jedem Fall ist die Akademisierung ein zentraler Punkt, um die Wertschätzung der Physiotherapeuten zu erhöhen.“ Wünschen würde sie sich einen Gesundheitscampus nach Bochumer Vorbild auch in Baden-Württemberg: „Ich bin überzeugt, wenn die Gesundheitsberufler und die Mediziner bereits im Studium zusammen Vorlesungen und Seminare besuchen, dann kommen wir ganz schnell weg vom Spartendenken, regen den Austausch über die Fachgrenzen hinweg an und bauen Hierarchien ab.“

In der Diskussionsrunde ging es vor allem um Maßnahmen, wie man die Physiotherapie kurzfristig wieder so ­attraktiv machen kann, dass die Versorgung der Patienten nicht auf der Strecke bleibt. Auch die Einrichtung weiterer ­primärqualifizierender Studiengänge kam zur Sprache. Bärbl Mielich sprach sich eindeutig für weitere Studienangebote aus, sagt aber, dass die Beratungen zum nächsten Doppelhaushalt abgewartet werden müssten, die nach der Sommerpause beginnen. Bei der Frage, wie sie zur Verkammerung steht, äußerte sie Bedenken, was eine reine Physiotherapeutenkammer angeht. Eine Gesundheitsberufekammer würde sie dagegen begrüßen.

Abschließend sicherten die Landeschefs der Berufsverbände Michael N. Preibsch und Raymond Binder weitere Gesprächsbereitschaft zu und verwiesen auf den Schulterschluss von Physio-Deutschland und VPT, der sich nicht nur auf gemeinsame Veranstaltungen beschränkt, sondern vor allem die inhaltliche berufspolitische Arbeit betrifft. Diese verbändeübergreifende Zusammenarbeit stieß auf große Zustimmung bei den anwesenden Mitgliedern.    

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