VPT-Meldung
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Wellness- und Fitnessmarkt

von Dr. Ernst Boxberg, Justitiar des VPT

Relevante Aspekte und Risiken für den selbstständigen Physiotherapeuten

Vor etwa zehn Jahren entstand in der Bundesrepublik Deutschland der Beruf des medizinischen Präventions- und Wellnesstrainers. Mit der Abnahme von körperlichen Aktivitäten entstand ein erhöhtes Bedürfnis an Ausgleich des Bewegungsmangels, gepaart mit dem Wunsch nach Steigerung des Wohlbefindens. Geradezu zwangsläufig mit dem aufkeimenden Trend nach Wellneß, Wohlbefinden und mehr Gesundheit entwickelte sich die Notwendigkeit eines sachkundigen und kompetenten Lehrers, der in der Lage sein sollte, diese Gesundheits- und Wohlbefindensdienste zu vermitteln. Die folgenden Ausführungen dienen dem Zweck darzulegen, wie ein solcher Berufsträger sich im sozialen Leben etabliert hat und wo er in berufssozialer Sicht positioniert ist. 

1. Medizinischer Präventions- und Wellnesstrainer als Beruf

Die Vermittlung von Wellneß ist Dienstleistung. Legt man den von der WHO geprägten Begriff der Gesundheit zugrunde (ein Zustand vollkommenen physischen, psychischen und sozialen Wohlbefindens), dann ist die Vermittlung von Wellneß Gesundheitsdienstleistung. Wir wollen feststellen, ob der diese Dienste Leistende nach kurzer Zeit der Einführung solcher Dienste ein eigenständiger Berufsträger werden konnte. 
Nach Artikel 12 unseres Grundgesetzes ist der Begriff des Berufs sehr weit gefaßt. Hierzu gehören nicht nur vom Gesetzgeber reglementierte Tätigkeiten, sondern auch eine jede selbst gewählte, auch von traditionellen Regeln nicht erfaßte erlaubte Betätigung, die als wirtschaftssoziale Grundlage gewählt wird. Unselbstständige aus einem Beruf sich entwickelnde Nebentätigkeiten gehören nicht hierhin. Berufsanalytische Betrachtungen weisen darauf hin, daß die Tätigkeit des medizinischen Präventions- und Wellneßtrainers nicht durch andere Personen mit einem etablierten Beruf belegt ist. Wenn nach FOCUS Wellneß die "Energiequelle ist, die notwendig ist, um die innere Balance bei steigenden Anforderungen zu erhalten" (Boeckh / Behrens / Buskies) in Wellneß "Elemente von gesundheitsorientierter Fitneß" sehen und somit der Wellneßbegriff offenbar Gesundheit und Entspannung gleichermaßen enthält, dann waren schon vor Jahren einige Berufe in Sicht, die als hochqualifizierte Zugangstätigkeiten zur Wellneß betrachtet werden können (Physiotherapeut, Masseur und med. Bademeister, Diplomsportlehrer, Sporttherapeut etc.). Der Physiotherapeut sowie Masseur und med. Bademeister boten jene soliden Grundvoraussetzungen, auf die die facettenreiche Tätigkeit eines medizinische Präventions- und Wellneßtrainers aufgepfropft werden konnte. Prävention und Wellneß sollten jedoch zu diesen Berufen nicht hinzukommen, wie Fort- und Weiterbildung, die das Tätigkeitsbild eines Berufsträgers vertiefen oder erweitern und es dennoch bei dem eigentlichen Kernberuf belassen. Prävention und Wellneß sollten vielmehr das bereits erworbene Wissen des Basisberufs Physiotherapeut oder Masseur und med. Bademeister für die Ausprägung eines neuen Berufsbildes nutzen, aber auch voraussetzen. So entstand ein neues Berufsbild. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, daß der medizinische Präventions- und Wellneßtrainer ein Berufsbild mit scharfen Konturen gezeichnet hat, und die Aufgaben des entstandenen Berufs tragen alle Voraussetzungen in sich, den vollen Schutz im Sinne von Artikel 12 GG für sich in Anspruch zu nehmen, sowohl was die Berufswahl als auch was die Berufsausübung betrifft. 

2. Freier Beruf oder gewerbliche Tätigkeit

Es gibt nur drei Möglichkeiten der Einordnung sich selbstständig betätigender Unternehmer: der freie Beruf, die Gewerbetätigkeit oder die sonstige selbstständige Unternehmerschaft. Zur letztgenannten Gruppe gehören alle Verwalter und Vollstrecker (Vermögensverwalter, Insolvenzverwalter, Testamentsvollstrecker etc.). Für den medizinischen Präventions- und Wellnetrainer bleibt nur die Alternative: freier Beruf oder Gewerbetreibender. Die Zuordnung hat weitreichende berufssoziale Konsequenzen. 

2.1. Merkmale des freien Berufs

Die Bezeichnung "freier Beruf" stammt schon aus dem römischen Reich und kennzeichnete dort die "artes liberales" als schriftstellerische, künstlerische und wissenschaftliche Betätigung. Eine Definition des Begriffs "freier Beruf" gibt es nicht, geschweige denn eine Legaldefinition. Der freie Beruf wird nur gekennzeichnet durch eine Vielzahl für ihn typischer Eigenarten und Leistungen: 

• Freiberufler erbringen ideelle Leistungen und Dienste,
• Gegenstand der Leistungen sind ideelle Güter von hohem individuellen oder Gemeinschaftswert,
• die Leistungen sind individuell,
• die Leistungen werden in eigener Person und in eigener Verantwortlichkeit erbracht,
• die Leistungen beruhen auf hoher beruflicher Qualifikation und Kompetenz,
• die Leistungen orientieren sich am jeweiligen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis,
• Freiberufler stehen in einem dualen, häufig auf Dauer angelegten psychosozialen Vertrauensverhältnis zu ihrem Klientel,
• das Vertrauensverhältnis beruht auf freier Wahlentscheidung des Klienten. 

Der Gewerbebetrieb ist im Einkommensteuerrecht definiert als eine "selbstständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt". In eine dieser beiden Gruppen ist nun der medizinische Präventions- und Wellneßtrainer einzuordnen.

2.2. Die Einordnung des medizinischen Präventions- und Wellneßtrainers

Die Einordnung des medizinischen Präventions- und Wellneßtrainers in das System der freien Berufe oder Gewerbebetriebe ist mit Sicherheit noch nicht vollzogen, weil die fiskalische Behandlung erst ein Jahr oder einige Jahre nach der Berufsaufnahme durch die Finanzämter aufgegriffen wird. Viele Anzeichen sprechen dafür, daß die Finanzämter dem medizinischen Präventions- und Wellneßtrainer die Stellung eines Mitgliedes der freien Berufe nicht versagen wollen. Daß "Wellneßkompetenz" eine besondere Qualität der Dienstleistung erfordert, die ihrerseits fundierte Kenntnisse in medizinischer Prävention und Eigenleistung (des Klienten) für die Gesundheit erforderlich macht, muß bei aller fiskalischer Behandlung des hier untersuchten Berufs immer wieder schwerpunktmäßig herausgestellt werden. Die möglichen Zugangsberufe zum "medizinischen Präventions- und Wellneßtrainer" sind freie Berufe und sollten durch die aufgepfropfte zusätzliche Ausbildung kein Risiko zur Abstufung auf den Gewerbetreibenden eingehen. Der Wortbestandteil "-trainer", der eher einer (gewerblichen) sportlichen Anleitung zugeordnet wird, den die Sporttherapeuten schon länger als freiberufliche Betätigung (leider oft vergebens) verteidigen, darf nicht zur Annahme von Gewerbeeigenschaft führen. Schließlich ist auch der Tanzlehrer Freiberufler. Bei ihm überwiegt das künstlerische Element, beim medizinischen Präventions- und Wellneßtrainer das gesundheitliche. Beide Elemente sind Gegenstand der "leges artes" und sollten in dieser Position nachhaltig verteidigt werden. Jede Zuordnung zu einer Gewerbetätigkeit würde den Berufsinhalten in nicht ausreichendem Maße Rechnung tragen. Im Zusammenhang mit diesen Überlegungen hat der Verfasser sich schon häufig gefragt, ob eine Berufsbezeichnung "medizinischer Präventions- und Wellneßtrainer" dem tatsächlichen Berufsinhalt nicht gerechter wird. Im Zusammenhang mit dem Begriff Fitneß ist es zweifelhaft, ob das für den medizinischen Präventions- und Wellneßtrainer Ausgesagte auch in gleicher Form für einen Fitneßtrainer ausgeführt werden kann. Der Begriff ist älter und stand früher tatsächlich mehr für die Einweisung in Kraft- und Ausdauermaschinen. Zwischenzeitlich erfährt der Begriff Fitneßtrainer eine differenzierte Betrachtung, der sich auch die Steuerrechtsprechung schon angeschlossen hat. Danach ist nach BFH, Urteil vom 13.01.1994, IV R 79/92, BStBl. II S. 362, Fitneßtrainertätigkeit dann freiberuflich, wenn die unterrichtende Tätigkeit für den Beruf prägend ist. Das Merkmal "prägend" wird dann nicht angenommen, wenn der Fitneßtrainer lediglich bei einigen (wenigen) Stammkunden das Training fortlaufend überwacht (FG Düsseldorf, Urteil vom 03.11.1993, EFG 1994 S. 835). Abschließend dürfte festzuhalten sein, daß der medizinische Präventions- und Wellneßtrainer den freien Berufen zuzurechnen ist. 

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