Die Hauptprobleme im Praxisbetrieb einer Physiotherapiepraxis bestehen im zeitaufwendigen bürokratischen Verwaltungsaufwand und Fachkräftemangel. So lautet das Ergebnis einer VPT-Umfrage unter selbständigen Physiotherapeut*innen. Die schwierige Arbeitssituation in der Physiotherapie ist bekannt, das Ergebnis überrascht nicht. Neu sind belastbare Daten aus der Branche, die uns nun aus den Praxen vorliegen.
Der VPT-Verband für Physiotherapie hatte dazu eine öffentliche Befragung mit 13 Fragen zur Arbeitssituation selbständiger Physiotherapeut*innen über ein Online-Tool erstellt. Die Umfrage lief rund zwei Monate auf den on- und offline Medien des Verbands. Nun belegen die Antworten von 2179 Physiotherapeut*innen, die nach wie vor schwierige Arbeitssituation im Praxisalltag.
Fachkräftemangel steigt an
Auf die Frage, „Wie viele offene Vollzeit-Stellen könnten Sie in Ihren Praxen besetzen, wenn es ausreichend Therapeut*innen gäbe?“, antworteten 64,2 Prozent der Teilnehmenden mit ein bis zwei Stellen. 12,2 Prozent gaben sogar an, mehr als drei Stellen sofort besetzen zu können. Die Zahlen decken sich mit den Erhebungen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Der Fachkräfteengpass notiert bundesweit eine Vakanzzeit von 251 Tagen bis zur Besetzung von freien Stellen. Interessant bei dieser Zahl der Bundesagentur ist es, dass viele Praxisinhaber die freien Stellen nicht melden, da aufgrund fehlender Fachkräfte meist keine Physiotherapeut*innen vermittelt werden können. Die Meldungen verlaufen ohne Erfolg. So antworteten 58,5 Prozent der Befragten auch auf die Frage: „Melden Sie offene Stellen der Agentur für Arbeit?“ mit nein.
Problematisch – die Gefährdung der Patientenversorgung
Der Bedarf an Physiotherapie steigt im Zuge des demografischen Wandels und einem höheren Versorgungsaufwand älterer Generationen. Die GKV-Heilmittel-Schnellinformation (HIS-Bericht 2023) dokumentiert, dass Physiotherapeut*innen 47,5 Prozent der Behandlungseinheiten bei den über 65-Jährigen erbringen. Fehlen physiotherapeutische Fachkräfte, gefährdet dies zunehmend die medizinische Versorgung insbesondere in dieser Altersgruppe.
Die schon heute schwierige Versorgungssituation belegen die Antworten auf folgende Frage: „Wie lange dauert es, bis Sie neuen Patient*innen den ersten Termin anbieten können?“ 55, 4 Prozent der Teilnehmenden antworteten, eine Erst-Terminvergabe erfolgt mit einem Vorlauf von über vier Wochen. Noch deutlicher zeigt sich die aktuelle Versorgungssituation im Bereich der Hausbesuche. 88,4 Prozent der Befragten Physiotherapeut*innen gaben an, sie müssen Hausbesuchsanfragen teilweise absagen. Damit liegt schon heute eine Unterversorgung mit medizinischen Leistungen vor, die in der Konsequenz, aufgrund fehlender Maßnahmen zur Pflegevermeidung, ein Vielfaches an Kosten entstehen lassen, besteht erst einmal die stationäre Pflegenotwendigkeit.
Bürokratie kostet wertvolle Therapiezeit
Ein weiteres Problem: Auch der Verwaltungsaufwand gestaltet sich in den Physiotherapie-Praxen nach wie vor zeitaufwendig. Der Anteil fehlerhaft ausgestellter Rezepte, die der Nachbearbeitung bedürfen, geben rund 40 Prozent der Teilnehmenden mit 10 bis 20 Prozent der Rezepte an. Diese Rezept-Korrekturen erschweren den Praxisalltag massiv. Die dafür aufzubringende Zeit könnte sinnvoller für die Patientenversorgung verwendet werden.
Kurzum: Es ist fünf vor zwölf, um dem Fachkräftemangel in der Physiotherapie entgegenzuwirken und die Versorgung mit physiotherapeutischen Leistungen insbesondere älterer Menschen zu sichern. Die Gefährdung der Patientenversorgung ist schon real.
Lösungsvorschläge bietet der VPT-Verband für Physiotherapie unter https://www.vpt.de/aktuelles/fachkraeftemangel/.
