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Parlamentarischer Abend in Berlin: VPT rückt Primärversorgung und Direktzugang weiter in den Fokus der Politik

„Physiotherapie als tragende Säule einer zukunftsfähigen Versorgung“ – unter diesem Leitsatz hieß der VPT am 17.03.2026 zahlreiche Gäste zum Parlamentarischen Abend im Haus der Physiotherapie in Berlin willkommen. Im Mittelpunkt des Dialogs mit hochrangigen Bundespolitiker*innen und Spitzenvertreter*innen des Gesundheitswesens standen die strukturelle Verankerung der Physiotherapie in der Primärversorgung sowie die konkrete Umsetzung des Direktzugangs.

Vor zahlreichen geladenen Gästen, darunter Vertreter*innen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), des GKV-Spitzenverbandes sowie verschiedener Fachverbände, eröffnete die VPT-Vorsitzende Manuela Pintarelli-Rauschenbach den Abend mit einer klaren Botschaft: Das deutsche Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen durch den demografischen Wandel und Fachkräftemangel. Physiotherapeut*innen verfügen über die Expertise, die Versorgung effizienter und patientenorientierter zu gestalten – doch ihre Kompetenzen werden im aktuellen System noch nicht ausreichend genutzt.

„Wir brauchen eine Reform des Berufsgesetzes, die endlich die Basis für eine moderne Versorgung auf Augenhöhe schafft“, betonte Pintarelli-Rauschenbach. „Den Direktzugang praktizieren wir im Selbstzahlerbereich längst erfolgreich – es ist an der Zeit, diese Kompetenz endlich auch in der Regelversorgung flächendeckend einzusetzen, um das Gesamtsystem effektiv zu entlasten.“

Politischer Dialog über die Zukunft der Versorgung

In der von Robert-Martin Montag moderierten Diskussionsrunde debattierten die folgenden gesundheitspolitischen Entscheider*innen über die notwendigen Reformschritte:

  • Dr. Christos Pantazis (SPD), Gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion
  • Sebastian Schmidt (CDU), MdB der CDU-Fraktion aus dem Gesundheitsausschuss
  • Prof. Dr. Lutz Hager, Vorstandsvorsitzender des BMC
  • Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa

Ein zentrales Thema war die Ankündigung von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, Physiotherapeut*innen künftig über einen Direktzugang als Teil multiprofessioneller Teams einzubinden. Dr. Christos Pantazis (SPD) betonte, dass die jetzige Situation im System kaum noch tragbar sei und zeigte sich entsprechend zugänglich für eine Öffnung des bisher sehr arztzentrierten Systems zugunsten einer effektiven Versorgung. Gleichzeitig mahnte er zur Besonnenheit, denn bei einem Vorhaben mit diesen historischen Dimensionen müsse sichergestellt werden, dass man die Patientinnen und Patienten auf dem Weg dorthin nicht verliere. Flaschenhälse müssten identifiziert und geweitet werden, aber es müsse vermieden werden, etwas zu implementieren, das am Ende nicht trägt.

Sebastian Schmidt (CDU) ergänzte, man brauche eine Politik, die auf wissenschaftlicher Basis und Expertenrat fußt. Sollen die Kompetenzen unter den Professionen neu aufgeteilt werden, um das Miteinander zu stärken, dürfe es keine Denkverbote geben.

Teamarbeit und Prävention als Schlüssel

Die Podiumsgäste waren sich einig: Gute Versorgung ist Teamarbeit. Prof. Dr. Lutz Hager (BMC) hob hervor: „Die Zukunft des 21. Jahrhunderts ist kooperativ, nicht kompetitiv. Wir müssen den konkreten Versorgungsanlass in den Mittelpunkt des Systems stellen. Wenn dieser Anlass klar definiert ist, kann und sollte der Weg für den Patienten auch direkt in der Physiotherapiepraxis beginnen können.“

Dr. Dirk Heinrich (SpiFa) knüpfte die Debatte um neue Versorgungsmodelle an klare strukturelle Bedingungen. Er signalisierte punktuelle Offenheit, sofern diese die Versorgungsqualität sichert: „Wir müssen weg von reinem Ausprobieren hin zu einer echten Implementierung. Es braucht eine ideologiefreie Debatte darüber, wer welche Kompetenzen am besten einbringen kann. So ist ein Direktzugang für uns dort vorstellbar, wo eine digitale Ersteinschätzung die Patientensicherheit und gezielte Steuerung gewährleistet, um die Versorgungslast gemeinsam zu schultern.“

Parallel dazu macht sich der VPT für einen Ausbau physiotherapeutischer Präventionsangebote stark. Da Muskel-Skelett-Erkrankungen zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsausfälle gehören, kann eine frühe Intervention langfristige Kosten senken und die Mobilität der Bevölkerung sichern.

Zum Abschluss des Podiums wurde es persönlich: Auf die Frage von Moderator Robert-Martin Montag, wann die Diskutanten selbst das letzte Mal in physiotherapeutischer Behandlung waren, wurde deutlich, dass jede Profession im System gebraucht wird. Mit dieser Veranstaltung positioniert sich der VPT klar als Impulsgeber für gesundheitspolitische Entwicklungen und etabliert das Haus der Physiotherapie einmal mehr als offenen, Gemeinsamkeit stiftenden Ort für den interprofessionellen Austausch und eine lebendige Debattenkultur.