Mitgliedernews

Physios verdienen zwar mehr als vor 10 Jahren – im Vergleich aber immer noch zu wenig

In den vergangenen zehn Jahren hat es in der Physiotherapie ansehnliche prozentuale Steigerungen in der Vergütung gegeben. In Relation zur Ausgangsbasis und im Vergleich mit anderen Berufen reicht das aber noch nicht aus.

Klick zum Vergrößern

In den vergangenen zehn Jahren hat es in der Physiotherapie ansehnliche prozentuale Steigerungen in der Vergütung gegeben: Das zeigt sich nicht zuletzt an der Entwicklung der Bruttogehälter von angestellten Physiotherapeut*innen, die seit 2013 im Schnitt um mehr als 40 Prozent* gestiegen sind. Ausschlaggebend waren u.a. die Aufhebung der Grundlohnsummenbindung in 2017, die bundesweite Vereinheitlichung der Preise durch das Inkrafttreten des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) in 2019 sowie die verhandelten Vergütungserhöhungen aufgrund des ersten bundeseinheitlichen Rahmenvertrags in 2021. Von den höheren Preisen für Heilmittel haben demnach Praxisinhaber*innen und Angestellte profitiert.

Vergleichbare Berufe mit deutlich höheren Gehältern

Wichtig ist es jedoch, die Prozentwerte in Relation zum Ausgangsniveau zu sehen und auch die jahrelangen Nullrunden nicht zu vergessen. Hinzu kommt der Vergleich mit dem durchschnittlichen deutschen Bruttoeinkommen, das derzeit bei rund 3.650 Euro/Monat* liegt – ein/e Physiotherapeut*in in Vollzeit verdient monatlich im Schnitt knapp 2.900 Euro brutto*. 

Vergleicht man die Gehälter im beruflichen Anforderungsniveau, kommen die Physiotherapeut*innen ebenfalls schlechter weg: Der überwiegende Teil der Physios ist laut Bundesagentur für Arbeit dem Anforderungsniveau „Spezialist“ zugeordnet. Hier beträgt der Entgeltunterschied gegenüber vergleichbaren Berufen satte 37 Prozent*. Und auch im Vergleich mit anderen Gesundheitsfachberufen gibt es große Unterschiede – Gesundheits- und Krankenpflegekräfte etwa verdienen im Schnitt knapp 1.000 Euro* mehr als Physiotherapeut*innen.

Fachkräftemangel in der Physiotherapie lässt sich so nicht stoppen

„Natürlich zeigt die Entwicklung der Gehälter in der Physiotherapie in die richtige Richtung“, sagt Steffen Gabriel, Referent für Grundsatzfragen bei VPT. „Um dem grassierenden Fachkräftemangel entgegen zu wirken reicht das aber nicht aus – vor allem so lange die Verdienstmöglichkeiten in benachbarten Gesundheitsberufen deutlich höher sind.“ Der Fachkräftemangel in der Physiotherapie ist mittlerweile so ausgeprägt, dass die Patientenversorgung gefährdet ist. Im Schnitt dauert es mehr als acht Monate*, bis eine offene Stelle besetzt werden kann. Der Personalmangel führt immer häufiger dazu, dass Praxen schließen oder sich verkleinern müssen. Und das vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft, in der der Bedarf an Physiotherapie beständig ansteigt. „Natürlich ist das Gehalt nicht die einzige Stellschraube, um den Fachkräftemangel zu beheben – aber eine wichtige“, betont Gabriel und fordert ein konsequentes Gegensteuern.

* Alle Werte basieren auf Daten der Bundesagentur für Arbeit und bilden den Medianwert ab. Das ist der Wert, der genau in der Mitte einer Datenverteilung liegt. Die eine Hälfte aller Individualdaten ist immer kleiner, die andere größer als der Median. Bei einer geraden Anzahl von Individualdaten ist der Median die Hälfte der Summe der beiden in der Mitte liegenden Werte.