Bei klar abgegrenzten muskuloskelettalen Beschwerden würde ein verpflichtender Erstkontakt bei Hausärzt*innen zusätzliche Umwege für Patient*innen bedeuten und die Therapieeinleitung verzögern. Dies kann sowohl die Hausarztpraxen belasten als auch den Behandlungserfolg verzögern.
Internationale Erfahrungen zeigen, dass es auch anders funktioniert. Länder wie die Niederlande, Schweden und Australien haben Primärarztsysteme etabliert und gleichzeitig den Direktzugang zur Physiotherapie integriert. Dort können Patient*innen mit bestimmten Beschwerden unmittelbar eine Physiotherapeut*in aufsuchen, ohne den Umweg über eine ärztliche Konsultation. Studien aus diesen Ländern belegen, dass die Therapie dadurch schneller beginnt, Wartezeiten sinken, unnötige Arztkontakte entfallen und Fachärzt*innen spürbar entlastet werden. Zudem lassen sich langfristig Versorgungskosten reduzieren, da Ressourcen gezielter eingesetzt werden.
„Damit ein Primärarztsystem in Deutschland effektiv wirkt, muss der Direktzugang zur Physiotherapie integraler Bestandteil sein. Nur so lassen sich Wartezeiten verkürzen, Versorgungslücken vermeiden und die Steuerungsfunktion der Hausärzt*innen sinnvoll ergänzen“, verdeutlicht Manuela Pintarelli-Rauschenbach. Darüber hinaus ist eine stärkere interprofessionelle Zusammenarbeit sowie der Einsatz digitaler Kommunikationswege erforderlich, um den Informationsfluss zwischen Hausärzt*innen, Fachärzt*innen und Physiotherapeut*innen effizient und strukturiert zu gestalten.
