Er lehrte als Manualtherapeut das Untersuchen und Behandeln und auch – und vor allem – alle Einflussfaktoren auf Krankheit, Therapie und Genesung zu sehen. Er forderte eine komplexe Sicht auf physiotherapeutisches Handeln und eine solide Wissensbasis nicht nur zur Physiologie des Bindegewebes, sondern auch wiederum auf alle Faktoren, die Bindegewebe beeinflussen, von der Ernährung bis zu psychosozialen Faktoren.
Sein erstes Lehrbuch zur Physiologie des Bindegewebes, das 1998 erschien und heute in der 5. Auflage immer noch ein Standardwerk ist, setzte neue Maßstäbe. Das Wissen um beispielsweise die Heilung und Belastbarkeit von Gewebsstrukturen ist heute eine Selbstverständlichkeit. Anfang der 90er Jahre war das nicht so. Mit seinem unermüdlichen Engagement in der Lehre und Weiterbildung erreichte er viele Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten.
Er schuf ein neues Bewusstsein für die Bedeutung der Physiologie in der Therapie.
Was trieb ihn an? Ihn interessierte, warum er vielen Menschen physiotherapeutisch helfen konnte, einigen aber nicht. Warum nicht? Diese Frage fand er spannender als Behandlungserfolge. Antworten in der Physiologie zu suchen, in der Fachliteratur und auch in Gebieten weit über den Tellerrand von Medizin und Physiotherapie hinaus, das war seine Passion. Sie in den physiotherapeutischen Diskurs einzubringen, war seine Mission.
Er wird uns fehlen.
Raymond Binder M.Sc.
